Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über das Alter der jüdischen Judas-Sage und des Toldot Jeschu
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 2)
- Language
- German
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Über das Alter der jüdischen Judas-Sage und des Toldot Jescliu 199 um 30 Silberlinge verschachert wird (Mt 2630, 273; Markus und Lukas geben keine Summe an). Die Antwort ist ja für uns leicht zu finden. Beidemal wird der Werttarif Lev 273-5 eingehalten: Joseph stand noch im Jünglingsalter, sein Preis beträgt 20 Schekel, Jesus bereits im Mannesalter, für ihn gebührt der volle Preis von 30 Silber-Schekel. Doch eine griechische, eine armenische und eine slavische Handschrift des Testaments von Gad sucht eine andere Lösung: Juda erhält 30 Silberlinge, aber nur 20 teilt er mit den Brüdern, 10 verbirgt er. In einer islamisch-jüdischen Legende, vielleicht mit apologetischer Spitze, verkaufen die Brüder Joseph um 18 Dirhem, nicht um 20; denn Juda nimmt sein Zehntel nicht an, um dereinst, am Tage der Auferstehung nicht darüber zur Rechenschaft gezogen zu werden. (Al-Kisaj, Kifas al-Anbijja ed. Eisenberg, 160. Weniger klar bei Firdusi, Grünbaum, Ges. Aufsätze 547). Jedenfalls hat die Erinnerung der christlichen Abschreiber an Judas das jüdische Apokryphon umgestaltet. Der alten jüdischen Legende scheint Judas unbekannt geblieben zu sein. Wohl erzählt schon das Ev. Matth. 27^, die Juden hätten besorgt, es könnten die Jünger Jesu den Leichnam ihres Meisters stehlen und dann verkünden, er sei auferstanden. In Justinus Martyrs Dialogus cum Tryphone Judaeo Cap. 108 werden die Juden dieses Unrechts bezichtigt. Auch Tertullian wendet sich gegen diejenigen, die behaupten, die Schüler hätten den Leichnam gestohlen oder der Gärtner hätte ihn entfernt, damit seine Pflanzungen nicht durch die Menge der Besucher beschädigt werden. Doch von Judas ist hier nirgends die Rede. Noch Erzbischof Agobard im 9. Jhdt. berichtet bloß, die Juden erzählen, der Leichnam Jesu sei einem Juden zur Obhut anvertraut, von einer Wasserflut weggeschwemmt worden. •Nirgends eine Beziehung zu Judas. Erst im T. J., schon im Aramäischen, welches Krauß als ,,Ur-Toldot“ ansieht, tritt Juda, der Gärtner auf, der den Leichnam geborgen hat und vorzeigt: hier ist er, also ist er nicht auferstanden. Adler, Krauß, Ginzberg setzen diesen יהודה גכנא mit Judas Ischariot gleich; anders R. Eisler und Isr. Levi (REJ. XCI, 144). Zumindest den Bearbeitern der hebräischen Fassung war diese Gleichsetzung nicht bewußt. Denn z. B. Ms. Straßburg (Krauß 46) nennt ihn bloß