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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 2 · p. Seite 153

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1933-01-01
Page
Seite 153 (sequence 1)
Language
German
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Besprechungen 153 Marcus — Die wir ts chaf fcii;e.he... Krisis־ der deutschen• Judeii — Eine; sozio- :logische Untersuchung-־- Verlag von Georg Stil ko 1-93:1. —r ... , Otto Heller — Der Untergang des Judentums *ל— Verlag für Literatur und Politik. Wien/Berlin 1931. . , , Marcus will das wirtschaftliche Schicksal des jüdischen Bürgertiiias in Deutschland einer Prüfung unterziehen, während Heller den Rahmen viel weiter spannt; er unternimmt den Versuch, eine historisch-materialistisehe Darstellung des Gesamtproblems der Judenfrage zu geben. Was Marcus betrifft, so scheint mir, als ob er die Epoche, die er seinen Untersuchungen zu Grunde legt, grade nicht glücklich gewählt hat. Trotz des Friedens von Versailles und infolge seiner harten Bedingungen befindet sich die ganze Welt in einem wirtschaftlichen Niedergang und selbst das goldstrotzende Frankreich wird von dieser Depression erfaßt. Das Zentrum dieses wirtschaftlichen־ Krieges bildet aber Deutschland. Abgesehen von der Scheinblüte während der Jahre 1927/28, während Deutschland mil läng- und ־kurzfristigen־ ausländischen Kapitalien überschwemmt wurde, hat sich seine wirtschaftliche Lage von Jahr zu Jahr verschlimmert. Den Arbeitsmarkt kennzeichnet die Zahl von über 6 Millionen Arbeitloser, die Industrie und der Handel liegen darnieder und es gibt keine Berufsart, die für das heran wachsen de Geschlecht eine einigermaßen sichere Zukunft verspricht. Die radikalen Parteien; welche den Umsturz predigen, erhalten großen Zulauf, und da sie sich militärisch zu organisieren bestreben, ist das Gefüge des ganzen Staatswesens unterwühlt. Den Zerrüttungeil innerhalb der gesamten Bevölkerung können sich auch die Juden nicht entziehen, wiewohl zugegeben werden kann, daß sie noch besonders durch die starke antisemitische Strömung zu leiden haben; aber dieses Moment spielte schon immer eine bedeutsame Rolle, wenn sich Deutschland in. Krisenzuständen befand. Wir erinnern nur an die Gründerzeit in den. siebziger Jahren, als die antisemitische Welle unter Stöcker und'Genossen stark ans lieg, aber in ruhigen Zeiten vollständig abebbte. Auch ohne soziologische Untersuchungen weiß man aus statistischen Untersuchungen des Unterzeichneten, Silbergleits und anderer Statistiker, daß die hei*ufliehe Gliederung der deutschen Juden sich anders gestaltet, als wie die der Gesamtbevölkerung, daß die Altersgliederung bei ihnen eine andere ist wie bei der Gesamthei t, deshalb braucht man gegenwärtig keine neuen sozialen Untersuchungen, zumal wir durch die Dauer des Wirtschartskrieges in anormalen Zeiten leben, die noch durch politische HintergTünde bedingt sind. Jedenfalls lassen sich aus den wirtschaftliche]! Daten, die. Marcus sorgsam und mit großem Fleiße zusammen gestellt hat, keine Schlüsse auf. die Zukunft — auch nicht für die deutschen׳ Juden ziehen. Auch mit den Schlußfolgerungen von Marcus in den;beiden letzten Kapiteln können wir uns kaum einverstanden erklären : daß die deutschen Juden kollcktivistisch the.orisiert und präk lisch individualistisch gehandelt haben, ist nicht genügend belegt, und seine Folgerungen aus dieser These für die Zukunft der Juden dürften auf Widerstand bei vielen Juden stoßen.

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