Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 2 · p. Seite 93

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 2
Article
Ein Rechtsstreit um den Boden Palästinas im Altertum
Date
1933-01-01
Page
Seite 93 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2829132-2829991-2829994-2838148--51848-2838193
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ein Rechtsstreit um den Hoden Palästinas im Altertum 93 anspruch auf den Boden Palästinas ־widerspiegelt. Nun weiden die Gegner der Juden mehrmals ausdrücklich genannt. Es sind die Aütochthonen Palästinas, die Kanaanäer, die nach Prokop und dem Midrasch identisch sind mit einem Teil des phönicischen Volkes und deren afrikanischen Kolonisten Für die Identität der Kanaanäer und Phönizier gibt es aber auch sonst reiche Belege: Bereits auf den Tontafeln Tel-el-Amarnas werden sowohl die Bewohner der phönicischen Städte wie die des biblischen Kanaan gleichermaßen Kanaanäer genannt1 Auch die biblische Völkeitafel läßt das Gebiet der Kanaanäer sich von Sidön bis Gaza erstrecken2. Die Septuaginta übersetzen häufig den Ländernamen ,,Kanaan“ des hebräischen Urtextes mit ״Phönieien“3, und eine jüdische apokryphe Schrift aus der Zeit des Herodes mit dem Titel ״Himmelfahrt Mosis“ bezeichnet den Zug der Israeliten ins gelobte Land ausdrücklich als ״Auszug nach Phönicien“4. Noch in den Evangelien wechseln einmal5 die Be- Zeichnungen ״Syrophönikerin“ und ״Kanaänäerin“. Daß die Phönicier sich als Nachfolger der Kanaanäer betrachteten, beweist wiederum eine Münze aus der Zeit des Antiochus Epiphanes, auf der die phönicische Stadt Laodikeia am Libanon ״Mutter in Kanaan“ tituliert wird6. Wenn der Volksname Kanaanäer in der nachbiblischen Literatur so selten erscheint, so erklärt sich das daraiis, daß die von den Griechen eingeführte Bezeichnung ״Phönicier“ den alten einheimischen Namen in der griechischen oder griechisch beeinflußten Welt zurückdrängte7 und unsere Kenntnis 1 S. Franz Böhl, Kanaanäer und Hebräer, Leipzig 1911 und Kittel a. ä. O. I4 S. 10, 3, wo die einschlägige Literatur zitiert wird. 2 Danach ist auch die phönicische Hauptstadt Sidon Kanaans Erstgeborener. In der LXX werden aber die Sidohier oft mit den Pböniciern gleichgesetzt, vgl. Dtn 3d, Jes 232. 3 S. LXX Exod 615, Gen 46I0, Exod 16ss, Jos 5!. 12, Job 4028, zitiert bei Borchart a. a. G. I 340. 4 Übersetzt bei Kautzsch a. a. O. II 317. Auch der samaritanischhellenistische Historiker Ps.-Eupolemos (Euseb. Pr. ev. IX 17, 4) nennt die Kanaanäer PhÖnicier. (Vgl. Freudenthal, Alexander Polyhistor S. 96.) 5 Marc 26ל — Matth 1522. 6 Ahgebildet bei Pietschmann, Geschichte der PhÖnicier S. 74. 7 Der Name Kanaan wird von den hellenistischen Phöniciem öfter genannt (S. Böhl, Kanaaniter und Hebräer). Einen syrischen Kleinfürsten z. Z. des Pompeius mit Namen Xavau>; nennt Dio Gassius 49, 19, 2.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.