Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ein Rechtsstreit um den Boden Palästinas im Altertum
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 2)
- Language
- German
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Ein Rechtsstreit um den Boden Palästinas im Altertum 85 einzigen König regiert, wie alle Geschichtsschreiber der Urzeit Phöniciens übereinstimmend berichten. Daselbst wohnten sehr menschenreiche Stämme, welche die Namen Gergesäer, Jebusäer u. a. trugen, mit denen sie das Geschichtsbuch der Hebräer bezeichnet. Als dieses Volle erkannte, daß der eingedrungene Feldherr unwiderstehlich sei, entfernten sie sich von den Wohnsitzen ihrer Väter und zogen nach dem benachbarten Ägypten. Dort konnten sie aber keinen geeigneten Platz zur Ansiedlung finden, da Ägypten seit ältesten Zeiten überbevölkert war, und zogen dämm nach Libyen. Hier besiedelten sie viele Städte und nahmen ganz Libyen bis zu den Säulen des Herkules in Besitz, wo sie noch bis zur Gegenwart sitzen und sich der phönicischen Sprache bedienen. Sie erbauten auch ein Kastell in einer numidischen Stadt, wo sich jetzt ein Ort mit Namen Tigisis befindet. Daselbst stehen neben der großen Quelle zwei Säulen aus Marmor, auf denen in phönicischer Schrift phönicische Worte eingemeißelt sind, die folgendes bedeuten; Wir sind es, die vor dem Räuber Josua, dem Sohne Nuns, geflohen sind1/' Die gleiche merkwürdige Erzählung von Josua und den Kanaanäem findet sich mit geringen Abweichungen in den erhaltenen Auszügen aus dem christlichen Historiker Johannes von Antiochien2 und mit den üblichen Mißverständnissen und Ent- Stellungen bei dem byzantinischen Lexikographen Suidas3. Bei 1 Prokop fährt dann folgendermaßen fort: ,,Auch andere Stämme hatten früher in Libyen gewohnt, die, weil seit Urzeiten ansässig, für Autochthonen gehalten wurden. . . Später kamen Dido und die mit ihr aus. Phönicien ausgewandert waren zu den Bewohnern Libyens als zu ihren Verwandten. Diese erlaubten ihnen, ohne dazu gezwungen zu sein, Karthago zu gründen und in Besitz zu nehmen. Mit der Zeit wurde die Macht Karthagos groß und seine Bevölkerung zahlreich. So kam es mit .seinen Naeh־^ barn, die — wie schon berichtet wurde — vor ihnen aus Palästina gekommen waren und jetzt Mauren heißen, zum Kampf. Die Karthager besiegten und zwangen sie, sich fern von Karthago anzusiedeln.“ 2 S. Fragm. histor. graec. ed. Müller IV 547 frg. 12. Von Prokop sind abhängig: Theophanes Chronogr. I 311, Euagrios hist. eccl. IV 18, Nikephor. hist. eccl. XVII 12, Symeon Logotheta 93, 11. Die Stellen sind bei Fabricius, cod.. Pseudepigr. Vet. Test., Leipzig 1713, 889 f. und Movers, Die Phönicier II 2, 433, 60a gesammelt. 3 Suidas s. v. Xava«v. Bei ihm wie bei Job. Ant. fehlt die Identifizierung der palästinensischen Urbewohner mit den späteren Mauren