Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zu Schebua ha-ben
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 576 (sequence 2)
- Language
- German
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576 Jesajas Preß Bei den alteingesessenen Sephardim und Aschkenazim wird die Hochzeitswoche genau so gefeiert wie in talmudischer Zeit. Jeden Abend kommen andere Gäste zur Mahlzeit, und nach dem Tischgebet werden die Benediktionen für das Brautpaar vorgetragen. Darauf wird gesungen und getanzt, um das Brautpaar zu. erfreuen. Die Bräuche im Trauerhause sind heute etwas anders als in alter Zeit. Nach der Beerdigung reichen die Nachbarn den Trauernden die סעודת ההבראה, die Labungsmahlzeit, dar. Sie besteht bei den Sephardim aus Brot, Eiern und Wein, bei den Aschkenazim aus einem Kringel und einer Tasse Kaffee. Diese Speisen sind mit gewissen Symbolen verbunden. Der Wein, der freilich von den Trauernden nicht getrunken wird, weist auf Spr 316 hin: ,,Gebet berauschendes Getränk dem, der verloren geht, und Wein den Bekümmerten". Der runde Kringel und das runde Ei sind Symbole für das Kreisen des Schicksals, das im Spruche Koh 14 zum Ausdruck kommt: ,,Ein Geschlecht geht und ein anderes kommt, die Erde aber bleibt immer bestehen". Bei den Sephardim werden sämtliche Gäste, die während der Trauerwoche die Leidtragenden besuchen, mit Kaffee und Zigaretten bewirtet. Am letzten Abend der Trauerwoche versammeln sich Freunde und Bekannte im Trauerhause, wo Mischnajoth und Sohar gelernt und zum Schlüsse das Kaddisch-Gebet gesagt wird. Die Segensspräche der Gäste beim Genuß von Speise und Trank tragen zur Erhöhung der Seele im Paradiese bei. Dasselbe geschieht am Abend des dreißigsten Sterbetages sowie bei der jährlichen Wiederkehr des Sterbetages, die die Sephardim dank der Erhaltung des Wortes im Schulchan Aruch ebenfalls Jahrzeit (in ihrer Ausspräche: Jäährzeit) nennen. Nicht nur in den Synagogen von Yernen, sondern auch in sämtlichen Synagogen Palästinas treten die Kohanim (Ahroniden) alltäglich beim Morgengebet vor die Lade und sprechen den Priestersegen, an Sabbat- und Feiertagen auch beim Mussafgebet, also zweimal. Beim Sprechen des Tachanungebets in der Synagoge bedeckt man das Gesicht mit dem Arm (beim Morgengebet mit dem rechten und beim Nachmittagsgebet mit dem linken Arm), indem man ihn auf den Tisch oder das Pult legt. Diese Handlung nennt man in der Volkssprache ״Tachanun fallen".