Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 5 · p. Seite 535

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 5
Article
[Rezension]
Date
1932-01-01
Page
Seite 535 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829983-2829989-2837878--51576-2837976
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Besprechungen 535 (doch ist VI 687 f. beständig Epikuräer statt Epikureer gedruckt); nur Namen und Titel sind Öfter falsch gesetzt (V 404 unten we Hichir statt we hizhir; anderes s. u.) oder ungenau wiedergegeben (Mieses, REJ 1932, 38 f.). Nach wie vor liegt der Hauptwert des Werkes in jenen großen Sammel- Übersichten, die nur durch das Zusammenwirken von Gelehrten der verschiedensten Fachgebiete möglich waren. So gliedert sich der Aufsatz ,,Gemeinde“ in drei Hauptteile (Altertum, Mittelalter und frühere Neuzeit, 19./20. Jahrhundert), von denen der dritte 21 verschiedene Länder behandelt. Unter dem Stichwort ״Gott“ sind zunächst biblische Daten besprochen, dann die Gottesnamen in der Bibel; daran schließt sich die Theologie des Hellenismus, des frührabbinischen Schrifttums, der Mystik, der mittelalterliehen und der neuzeitlichen Religionsphilosophie. Natürlich wachsen manche dieser Sammelaufsätze zu größeren oder kleineren Büchern aus: so die Geschichte der Länder (Deutschland, England, Frankreich), aber auch die Behandlung der Stichworte Finanz und Bankwesen, Grab, Handel, Handwerk, hebräische Sprache, Historiographie, Industrie. Bei vielen ist eine .Gliederung vorangeschickt; das wäre allgemein zu empfehlen! Zweifellos verdient die Vielseitigkeit der Gesichtspunkte, unter denen die besonders wichtigen Schlagworte besprochen wurden, besondere Anerkennung; eben deshalb könnte man auf dem erfolgreich beschrittenen Wege noch weiter gehen. Mit Recht hat man durchweg auf die Weiterspinnung der biblischen Erzählungen im Midrasch verwiesen; weniger folgerichtig verfuhr man bezüglich der Weiterwirkung in anderen Religionen; bei Daniel hat man zwar die islamische Legende, aber nicht die Bedeutung des Buches Daniel für das christliche Weltbild besprochen; beim Hohenlied fehlt jeder Hinweis auf die Auslegung der Christen wie der Moslemin, deren Schwelgen in sexualmystischer Phantastik von der gemeinjüdischen Auffassung absticht, aber die Ausnahme des ״geistlichen Minnesängertums“ im Kreise Israel Naggaras erklären hilft. Die Stichworte Ehe und Ehe- Scheidung sind einseitig unter juristischem Gesichtspunkt behandelt; die Ehefreudigkeit des Judentums hätte auch eine Würdigung vom weitanschaulichen Standpunkt verdient; die Frage nach der tatsächlichen Behandlung der Frau in der jüdischen Ehe ist ein wichtiges sittengeschichtliches Problem, das eine kulturvergleichende Behandlung fordert; statistische Nachweise über die Häufigkeit der Ehescheidungen wären erwünscht gewesen. Für die systematischen Stichworte ist meist die antike und mittelalterliche Religionsphilosophie ausreichend herangezogen; aber man vermißt doch die Berücksichtigung des jüdischen Hellenismus in der Rechtsgeschickte (z. B. im Ehe- und Erbrecht) und bei der Behandlung biblischer Gestalten wie Hagar; die Auffassung der Engel in der Religionsphilosophie des Mittelalters, insbesondere bei Maimuni, hätte berücksichtigt werden dürfen. Die geschichtlichen Beiträge sind meist bis auf die Gegenwart herabgeführt, und die Beibringung reichen statistischen Materials ist zu rühmen; aber z. B. bei dem Artikel Islam kommt das Verhältnis zum gegenwärtigen Judentum zweifellos zu kurz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.