Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur jüdischen Kunstforschung [Rezension]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 523 (sequence 2)
- Language
- German
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Zur jüdischen Kunstforsehung 523 Kunstdenkmäler, und es ist nicht ersichtlich, ob diese Stücke noch außerdem unter besonderen Nummern geführt, und warum sie überhaupt an dieser Stelle verzeichnet werden. Heft 27 enthält schematische Zeichnungen von Häusern aus dem Judenbuch des Frankfurter Stadtarchivs, darunter das •Geburtshaus M. A. Rothschilds, und ein von Moritz Oppenheim gemaltes Bildnis von Gudula Rothschild. Der Text bietet mehr Interesse für Familienforschung und Lokalgeschichte. Dafür aber wird der künstlerisch interessierte Leser in Heft 28 vollauf auf seine Kosten kommen. Die auf Fig. 5 abgebildete Sederschüssel gehört zu einer gar nicht unbedeutenden Gruppe ritueller Schüsseln, deren Bildschmuck der Buchillustration entlehnt ist. Von besonderem Interesse ist die Estherrolle auf Abb. 6 aus dem Besitz der Baronin Mathilde v. Rothschild, die Frauberger in den Mitteilungen der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler V/VI, Fig. 10 bereits einmal reproduziert hatte, aber ohne den überaus wichtigen Vermerk des Künstlers zu erwähnen,, den die Rolle trägt: Entworfen und ausgeführt von Salom, Sohn des Mordechai, aus Italia, Amsterdam, 19. Adar, 5409 (1649). Wir wissen von der Existenz zweier Estherrollen des Salom Italia1. Die eine gilt als verschollen. Albert Wolf zitiert in Mitteilungen für jüdische 'Volkskunde, Heft 15, Nachtrag, den Vermerk des Künstlers auf dieser verschollenen Rolle, der in der Übersetzung lautet: Ich habe es gezeichnet mid gemacht. Salom, Sohn des seligen Mordechai d’Italia, hierin Amsterdam, am 9. des Monats Adar, 1660 (von anderen 1694 gelesen). Wolf vermerkt ferner, daß diese Rolle in zierlicher Quadrata geschrieben und mit zirka 40 Federzeichnungen geschmückt war. Ich sprach in meinem oben erwähnten Aufsatz in bezug auf die verschollene Rolle des Salom Italia die Vermutung aus: ,,Vielleicht ist sie unter der Gruppe von Estherrollen zu suchen, die, mit Tusche gezeichnet, ebenfalls die Standbilder zwischen den Kolumnen aufweisen und außerdem kleine Bilder in der oberen und der unteren Zone zeigen, die die Esthergeschichte illustrieren. Es gibt mehrere Varianten von dieser Art.“ Tatsächlich bietet die Frankfurter Rolle einen in überaus zierlicher Quadratschrift geschriebenen lext, sowie die Standfiguren der Helden der Esthergeschichte in den Interkolumnien und kleine Bildchen in der oberen und unteren Zone. Allerdings stimmen die Daten in den Künstlervermerken nicht ganz überein, und es wird Sache der weiteren Forschung sein, das von Wolf hebräisch zitierte Kolophon mH dem des Frankfurter Stücks zu vergleichen und festzustellen, ob es sich hier nicht lediglich um Abweichungen handelt, die auf Lese- bzw. Druckfehler zurückzuführen sind. M• Ginsburger, Amulettes Judeo-Alsaciennes in L’ Art Polulaire en France, Straßburg 1929, Maison d’Edition 1 Vgl. meinen Aufsatz ,,Der Estherstoff in der jüdischen Illustration“, in MGWJ 1930.