Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 5 · p. Seite 477

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 5
Article
Die Erforschung jüdischen Denkens im Mittelalter
Date
1932-01-01
Page
Seite 477 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829983-2829989-2837871--51505-2837918
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Erforschung des jüdischen Denkens im Mittelalter 477 Derascha; und so gewiß Diesendruck sich der Vorzüge eines guten Darschan rühmen darf, eindringenden Scharfsinns und fleißiger Heranziehung des gesamten Materials, insbesondere der nichtphilosophischen Schriften Maimunis und der Kommentarliteratnr, so fragt es sich, ob nicht auch die Schattenseiten hervortreten, die Neigung, einzelne Gedankengänge und Worte überscharf unter die Lupe zu nehmen und dafür anderwärts an dem klaren Wortsinn vorbeizugehen. Die Untersuchung der Prophetologie Maimunis geht vor allem von der Schwierigkeit aus, daß der Denker an mehreren Stellen, gerade im More, die Phantasie sehr abfällig beurteilt und ihr doch im gleichen Werke eine starke Mitwirkung bei der echten Prophetie zuspricht. Diesendruck löst die Schwierigkeit durch den Nachweis, daß Maimuni, an arabische Vorbilder anknüpfend, unter nicht nur eine unvollkommene Denktätigkeit, sondern auch ein instinktives, intuitives Vermögen versteht, das sich z. B. in der Liebe des Tieres zu seinen Jungen (Anm. 139) äußert. Auf dies Vermögen wirkt nun (so stellt D. die Ansicht Maimunis dar) in der echten Prophetie Gott selbst, wenn auch durch Vermittlung des aktiven Intellektes; denn ,,ebenso wie der Empfänger, ist auch die Influenz in der Prophetie spezifischer Natur" (S. 112). Daher hebt sich die Prophetologie Maimunis von derjenigen der arabischen Philosophen viel schärfer ab, als es nach seinen eigenen ,Worten den Anschein haben könnte; Gottes Mitwirkung beschränkt sich nicht auf die Versagung der prophetischen Gabe, vielmehr ist der prophetische Einfluß in gewissem Sinne eine Neuschöpfung; die Parallele von Schöpfungs- und Prophetenlehre, die Maimuni zieht, beruht somit auf einer inneren Zusammengehörigkeit beider. Unter den Einwänden, die sich dem Mitforscher sofort erheben י greife ich nur einen heraus. Maimuni definiert die Prophetie More II 36 als ,,einen göttlichen, durch den aktiven Intellekt vermittelten Einfluß zuerst auf die Vernunft und dann erst auf das vorstellende (instinktive) Vermögen.‘6 Ob man dies ,,zuerst66 zeitlich oder mit D. 104 ,,nur (?) logisch“ zu nehmen hat, keinenfalls ist es zulässig, über die Priorität des Intellekts in der Prophetie einfach hinwegzugehen, also zu erklären, daß ״die Funktion der Imagination als Organ der des Intellekts noch überlegen sei“ (D. 105) und daß der Weg der Prophetie, so gut wie der der allgemeinen Erkenntnis, von der Sinnlichkeit zum Intellekt führe (D. 122).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.