Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- R. Michel Chasid und die Sabbatianer
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 385 (sequence 16)
- Language
- German
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R. Michel Chasid und die Sabbatianer 385 Dieser Salomon Serkewitz ist in Prag etabliret, von da aus jedoch, mit Verlassung seiner Familie, nebst einen einzigen seiner in seine Fußtapfen tretenden Kinder, nach Offenbach gewendet, um daselbst, wie sowohl hier als zp Prag schon längst bekannt, jener berüchtigten, ehemals zu Brünn existirten sogenannten Fränkischen Secte beyzutreten, welche daselbst ihr Unwesen treibt und ihr auf die feinsten Sophismen gebautes, den Umsturz aller Moralität zum Gegenstände habendes System nicht nur unter alle Judengemeinen, sondern auch unter Christen verbreitet. Während des Aufenthaltes dieses Salomon Serkewitz zu Offenbach hatte denn auch diese Secte vor einiger Zeit die hiesige sowie fast alle andere Judengemeinden mit anonymischen, mit cabalistischen Prophezeyungen und im Verweigerungsfalle mit fürchterlichen Drohungen angefüllten Briefen zu dem Beytritte zu selbiger Secte aufgefordert, und nunmehr ist es höchst wahrscheinlich, daß Serkewitz um deswillen hierher gekommen, um durch seine persönliche Gegenwart jenen Briefen mehr Eingang zu verschaffen. Diese Absicht ist um so unverkennbarer, jemehr seine hiesigen Verwandten sowohl, als andere glaubwürdige Männer aus Prag und anderen Städten Böhmens schriftlich vor demselben als einen gefährlichen irreligiösen Menschen, welcher auch die Gabe Andere zu verführen habe, gewarnt worden, jemehr er bey Erwähnung der obgedachten anonymischen Briefen solche zu rechtfertigen gesucht, während seines Aufenthaltes allhier keinem Gottesdienst beygewohnet, jemehr er seine Tochter und seinen Schwiegersohn, welche von Prag aus hierher zu ihm gereiset, um ihn von seinen Thorheiten ab zubringen, auch wieder nach Prag zu gehen, unverrichteter Sache zurückreisen lassen, und jemehr er uns selbst, zur Ersparung der Kopfsteuer, zu Aus- Stellung eines Zeugnisses, daß er allhier keine Handlung treibe, verleiten wollen, welches wir ihm jedoch um so weniger ausstellen können, jemehr uns die Beobachtung des Landesherrlichen Interesse oblieget, und jeweniger wir dessen Geschäfte kennen. Dresden am 17. Julius 1800. Die Aeltesten und Deputirten der hiesigen Judenschaft. Joel Nathan Scbießinger Sallomon Simon Bondi Seeligman Mayer et cons. Veith Meyer Samuel Lazarus Zur Gedächtnisrede Meyer Simon Weyls über die Königin Luise. Von Gotthold Weil. Die engen Bande, die Sie, sehr verehrter Herr Professor Sobernheim, durch Ihre persönliche Arbeit und durch die schon vor Jahrzehnten von Ihren Angehörigen erworbenen Verdienste mit der Jüdischen Gemeinde Berlin verknüpfen, veranlassen mich, Monatsschrift, 76. Jahrgang 25