Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Erforschung des jüdischen Denkens im Mittelalter
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 369 (sequence 15)
- Language
- German
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Die Erforschung des jüdischen Denkens im Mittelalter 369 religiösen Motive in der Philosophie des MaimonidesL den wir bereits hier berücksichtigen, da es ihm vor allem um die Verdeutlichung der Problematik des gesamten jüdischen Mittelalters zu tun ist. Sehr anschaulich weiß er den Gegensatz darzustellen zwischen dem neuplatonisch umgedeuteten Aristotelismus, dem die Welt als unpersönlicher, notwendiger Kraft« und Zweck« Zusammenhang gilt, und dem jüdischen Glauben an die Welt als freie Schöpfung Gottes; von da aus wird die Tragweite der beiden entscheidenden Abweichungen Maimunis von seinem griechischen Vorbild sichtbar: in der Lehre von der Prophetie und der Schöpfung. So soll offenbar die jüdische Religions- Philosophie allgemein verstanden werden aus dem Zusammenwirken ihrer beiden Komponenten, der jüdischen und der griechischen, deren innere Beziehung zueinander Neumark weit überschätzt, Husik kaum untersucht hat. Dies Zusammenwirken griechischer und jüdischer Formkräfte, das bereits im Altertum einsetzt, fordert abeV auch eine kulturgeschichtliche Beleuchtung als Teilerscheinung jenes großen Hellenisierurigsprozesses, der etwa seit der Diadochenzeit die Nationalkulturen der Mittelmeerländer ergreift. Besonders nahe kommt die Hellenisierung der Römer, da sich ja auch aus ihr ein philosophisches Schrifttum entwickelt hat. Ich habe daher in einer kleinen Arbeit* 2 den Einfluß der griechischen Weltanschauubgslehre auf Römer und Juden zum Gegenstand einer kulturvergleichenden Untersuchung gewählt. Dabei ergaben sich überraschende Ähnlichkeiten, zumal in der antiken Entwicklung: zunächst wirkt das Griechentum rein zerstörend auf den Kreis um Jason und Menelaos wie auf die römische Lebewelt; hier wie dort fordert diese Zersetzung den grundsätzlichen Widerstand (zumal der Landbevölkerung) gegen die Übertragung der fremden Kultur heraus; bald aber kommt es in kleinen Kreisen zu dem Bestreben, mit Hilfe des wissenschaftlichen Idealismus der Griechen dem römischen Pflichtbegriff und dem jüdisch-religiösen Weltbild neue Stützen zu geben. Diesen Verh Entwicklungsstufen der jüdischen Religion, Gießen, Töpelmann, 1927, S. 61-90. 2 Die griechische Weltanschauungslehre bei Juden und Römern (Morgenreihe, 10. Schrift), Berlin, Philoverlag, 1932, 48 S. Monatsschrift, 76. Jahrgang 24