Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Gebot und Mysterienhandlung
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 12)
- Language
- German
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330 Bernhard Heller frömmigkeit vereinerieien wollte *7 verrät7 daß seine dem Judentum gewidmete Darstellung von einem seltsamen Synkretismus beherrscht wird. Normatives und hellenistisches Judentum hatten ja beide ihre Gelehrten und ihre ungelehrten Schichten; doch waren ihre Grundanschauungen verschieden. — Dieser Synkretismus ist durch das Lebenswerk Moores wissenschaftlich zerstört Ein Homerisches Gleichnis im Midrasch. Von Bernhard Heller. Griechische Sprache, Literatur, Kunst und Bildung, besonders im Gegensatz zur römischen, erregten die Bewunderung, zuweilen die Hochschätzung der Tannaiten und Amoräer1 2. R. Jehuda Hanassi erkennt in Palästina nebst der heiligen Sprache nur noch der griechischen Berechtigung zu. (Baba Kama, 82b. 83a, Sota 49b.) Ein spätamoräischer Ausspruch von R. Jonathan aus Beth-Gübrin erkennt vier Weltsprachen an: Für die Dichtung eigene sich das Griechische, לעו לז&ר (pal. Meg. I. 71b, pal. Sota, VII, 21c, Esther R. IV. ad 1, 22). Von Elischa b. Abuja berichtet die Sage ומר יווני לא פסק םפומיה nicht verklang griechische Dichtung auf seinen Lippen (Chag. 15b). Von der Schule im alten Patriarchenhause wird erzählt, sie habe 1000 Schüler erzogen, 500 oblagen der Tora, 500 der griechischen Wissenschaft (Baba K. 83a, Sota 49b). Und trotzdem hat das tannaitisch-amoräische Schrifttum aus der ganzen derart gepriesenen griechischen Dichtung, überhaupt vom klassischen Hellas nur einen einzigen Namen bewahrt: Homeros. Erst spätere jüdische Sage, unter hellenistischem und Christlichem Einfluß, fabelt davon, daß die griechische Gelehrsamkeit der jüdischen Weisheit entlehnt ist, macht Pythagoras, Sokrates, 1 Man vgl. Bousset, Volksfrömmigkeit und Schriftgelehrtentum. 1903. Ferner J. Eschelbacher, Das Judentum im Urteile der modernen protestan« tischen Theologie. 1907, S. 42 f. 2 Siehe die dankenswerte Zusammenstellung von Samuel Krauß, Griechen und Römer (in Monumenta Talmudica, Wien-Leipzig 1914, S. 37—42).