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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 3 · p. Seite 240

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 3
Article
Zur Amsterdamer Haggada
Date
1932-01-01
Page
Seite 240 (sequence 2)
Language
German
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240 Rahel Wischnitzer-Bernstein Stechers bezw. Nachstechers für den holländischen Druck, Druckers, Erscheinungsjahr und -Ort), denn eine solche Mitteilung wäre nicht unbemerkt geblieben. In den von G. zitierten ,,Mitteilungen“ von 1929 fehlt jede nähere Angabe über die Bibel. Es heißt da: ,,Der Herausgeber hatte eben aus praktischen Rücksichten die Kupfer einer bekannten Christliehen Bilderbibel angekauft und unbedenklich in die Haggadah hinübergenommen.“ Ich möchte berichtigend hinzufügen, daß eine ,,Hinübernahme“ der Kupfer nicht stattgefunden hat. Sie sind meist gegenseitig. Die Stiche der Haggadah sind nicht von den Platten der Bibel gedruckt, sondern nachgestochen. Für die vier Söhne der Haggadah nimmt G. nicht die christliche Bibel, sondern eine andere Quelle in Anspruch, und zwar das Bild der vier Menschenalter in ,,Der Arzney gemeiner Inhalt“ von Dryander. Die Abstammung von diesem Holzschnitt muß ich entschieden bestreiten und verweise den Leser auf die von mir in meinem Artikel veröffentlichten Vorlagen des Merian zu diesen Bildern. Wer sie gesehen hat, bedarf keiner weiteren Beweisführung. Daß die Bilder des Kindes, das nicht zu fragen versteht, des einfältigen und des bösen Sohnes gegenüber den Vorlagen im Gegensinne erscheinen, ist auf die Tatsache zurückzuführen, daß die Stiche vom Plagiator eben nach dem Druck kopiert wurden. Die Auffindung dieser Vorlagen war besonders schwierig, weil sie zum Teil im Bibelzyklus des Merian gar nicht enthalten sind, und das gesamte Kupferstichwerk des basier Künstlers nirgends vollständig regtstriert ist. Glücklicherweise besitzt aber das Berliner Kupferstichkabinett Klebebände mit Stichen des Merian, in denen wir die Vorlagen feststellten. Toeplitz teilt mit, daß er ,,den gleichen Gegenstand in völlig abweichender Weise behandelt habe.“ In seinem Aufsatz Menorah, 1924, Nr. 7, den er anführt, ist mir allerdings als völlig von mir abweichend folgende Behauptung aufgefallen: ,,Im übrigen sind die Bilder neue Erfindungen, die einen geübten Stecher verraten.“ Es bleibt unersichtlich, wieso Herr T. auf seinem irrigen Standpunkt verharrt, nachdem der Ursprung der Amsterdamer Haggadah nun als nachgewiesen gelten muß. Wie die meisten Forscher, wußte Herr T. überdies nicht, daß der Unterschied zwischen den beiden Haggadahausgaben von 1695 und 1712 nicht allein im Titelblatt und den Hintergründen der Bilder zu suchen ist. Einige Mitteilungen, die mir persönlich zugegangen sind, behandeln die Frage, ob der Stecher Abraham bar Jacob Proselyt oder geborener Jude war, und ob Moses Wesels Verhältnis zur Amsterdamer Haggadah das eines Mäzens oder eines Druckherrn war. Herr Professor D. Simonsen, Kopenhagen1, bringt als Beweis für die Annahme, daß der Stecher Abraham bar Jacob Proselyt war, die Angabe 1 Kurz vor Fertigstellung dieses Heftes ist der hochverdiente Gelehrte dem Judentum und der Wissenschaft entrissen worden. Ehre seinem Andenken! ־ Die Schriftleitung.

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