Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Benjamin Disraeli, Juden und Judentum
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Benjamin Disraeli, Juden und Judentum 228 Welches ist unser jüdischer Standpunkt, wenn wir nicht Vogelstraußpolitik treiben und der Wahrheit die Ehre geben? Wir Juden wollen keine Konvertiten machen, wir senden keine Missionäre aus. Will jemand in unsere religiöse Gemeinschaft aufgenommen werden, d. h. bekennt er sich ehrlich zu unserem Glauben, will er die uns von der Religion gebotenen heiligen Gesetze halten, dann stoßen wir ihn nicht zurück und fragen nicht, zu welcher Rasse, zu welchem Volke er gehört. Natürlich wissen wir so gut wie L. Wolff und andere, daß im Begriff ,,Judentum“ nicht nur ein religiöses, sondern auch ein nationales Moment enthalten ist, daß wir ein Volk waren und wieder eins zu werden hoffen. Sehr schön, was Mirjam zu ihrem träumerischen Bruder David sagt: “What we have been, Alroy, is a bright dream; and what we may be, at last as bright a hope“ (S. 1*2). Aber das steht hier nicht zur Diskussion. Wir möchten zugleich darlegen, daß man Disraeli in keiner Weise zu einem Vorläufer oder gar Vorkämpfer des modernen Zionismus machen kann, weil er wissenschaftlich irrte. ,,Disraeli kann insofern als ein Vorläufer des Zionismus gelten, als er oft von der Wiederkehr der Juden nach Palästina wie von einer Tatsache der Zukunft sprach“ (Jüdische Encyclopädie V, 1157). Wo tut er das? In einigen belanglosen Äußerungen im Tancred und Contarini Fleming? ,,Sein Ankauf der Suez-Kanal-Aktien 1875 war der erste Schritt zu der Politik, die zur Übernahme des Mandats über Palästina durch England führte“ (ebda 1158). Hier werden, um eine vorgefaßte Theorie zu beweisen, Dinge herbeigezogen, die mit unserer Frage nicht das Geringste zu tun haben. Segalowitsch ist vorsichtiger: ״Wenn wir also Disraeli als ״Vorläufer des Zionismus“ bezeichnen, so müssen wir uns dessen bewußt sein, daß sein Leben zwar keine Ansätze zur Verwirklichung zionistischer Bestrebungen auf weist, jedoch kräftige Keime für eine spätere Entwicklung zum Zionisten in sich schloß“ (S. 94). Selbst das' geht zu weit. Waelder ist hier nicht ganz klar, kommt aber doch zum Ergebnis: “Disraeli äußert sich nie prinzipiell über die Frage des Zionismus, aber seine diesbezügliche Haltung läßt sich mit ziemlicher Sicherheit aus gelegentlichen Äußerungen, aus seinen Theorien über das Judentum im allgemeinen und aus seiner ganzen Wesensart erschließen“ (S. 65 L). Aber Waelder sagt doch, wie