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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 3 · p. Seite 207

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 3
Article
Beiträge zur Erklärung der Esra-Apokalypse und zur Rekonstruktion ihres hebräischen Urtextes
Date
1932-01-01
Page
Seite 207 (sequence 2)
Language
German
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Beitr. z. Erklär, d. Esra-Apokalypse u. z. Rekonstr. ihres hebr. Urtextes 207 da ja das schwere Schicksal der Sünder mit dieser Liebe in keiner Weise in Einklang gebracht wird1. Geradezu in Widerspruch zu der feingeschliffenen Sentenz ist die weitere Belehrung, wonach für Esra und alle Gerechten (die doch in der Gegenwart leben!) für die Zukunft die Glückseligkeit auf bewahrt ist. Diese Verlegung des Lohnes von der Gegenwart in' die Zukunft stimmt in der Tat mit der rabbinischen Anschauung überein, wie sie R. Josua b. Levi (b. Ab. z. 3a) mit Bezug auf Deut 7n zum Ausdruck bringt: Heute sollen die guten Werke geübt werden, aber nicht, um heute schon deren Lohn zu erhalten2. Dann ist jedoch der vorherige epigrammatische Ausspruch eine Unmöglichkeit und kann nur durch eine falsche Übersetzung entstanden sein3. Der wahre Sinn desselben erschließt sich aus der weiter nachfolgenden Ausführung, der Prophet brauche nicht für die Unglückliehen einzutreten, die freiwillig das Gebot des Höchsten verschmäht (V. 55—60: narrt et ipsi accipient.es libertatem spreverunt Altissimum ... non enim Altissimus v oluit hominem disperdi), wodurch ihr Untergang bewirkt wurde. Die Gerechtigkeit des göttlichen Waltens im Einklang mit seinem Erbarmen wird dadurch erklärt, daß die Masse der Sünder sich automatisch von Gottes Gnade ausschließe, indem sie ihn verschmähe; er ist immer für diejenigen da, die seine Anwesentheit wünschen. Der Orakelspruch hat im hebräischen Urtext gelautet: ״ אה;ה עם אשר יהיולי, אב1א אל הבאים אליIch bin bei denen, die bei mir sind; ich komme zu denen, die zu mir kommen“ — ein Gedanke, der Gottes unbedingt rettende Güte in ein helles 1 Gunkels Anmerkung: ,,Ein wundervoller Trost! Immer wieder erkennt der Prophet, daß Gott Liebe und nur Liebe, alles menschliche Erbarmen weit überbietende Liebe gegen alle Welt hegt, und in diesem Gedanken beschwichtigt er seinen Schmerz über den Untergang so Vieler“ — ist mystisch-dogmatisch und erklärt nichts. Die Frage bleibt: Warum werden diese Geschöpfe des Erbarmens nicht teilhaftig? 2 היום לעשותם ולא היום ליטול שכר. 3 Charles meint (S. 597): ״Here we have the apologia of orthodox Judaism as S (= Schaltiel-Apokalypse) conceiyed it. It is the best answer that can be furnished from the orthodox standpoint.“ Das ist natürlich ein Irrtum.

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