Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Jahrhundertfeier der "Gottesdienstlichen Vorträge" von Zunz [Rezension]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 2)
- Language
- German
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200 Bernhard Heller (GV.2 189) festgestellt. Die eindringenden Untersuchungen Albecks (66 ff.) über die Beziehungen des Bereschit Rabba zum pal. Talmud bestätigen Zunzens Auffassung, daß diese beiden palästinischen Werke viel Gemeinsames aufweisen, wobei die handschriftliche Ergänzung (GV.2 185 f.) besonders zu beachten ist über die Auszüge aus dem pal. Talmud in Ber. R. ״die bisweilen eine jüngere Hand verraten/' Hier hat Zunz ebenso scharf gesehen wie in seiner Beobachtung (GV. 176, GV.2 186), daß Ber. R. den bab. Talmud garnicht benutzte; Theodor (MGWJ, 1894; '520 f.) bestätigt dies dadurch, daß er die aus dem bab. Talmud stammenden Bestandteile als Einschübe erkennt. Den Titel בראשית רבא erklärt Zunz (GV. 176, GV.2 187). derart, daß er aus ursprünglichem בראשית דר׳ אושעיא רבה abgekürzt sei. Theodor weist diese Begründung damit zurück, daß die Londoner Musterhandschrift nicht mit ,פתח ר׳ אושעיא רבד beginnt, sondern bloß mit פתח ר׳ אושעיא. Demgegenüber macht Albeck (94, Anm. 1) zu gunsten der Zunz'schen Auffassung geltend, daß auch schon die Geniza-Handschrift ר׳ אושעיא רבה liest. Auch die andere Erklärung von Zunz, daß Bereschit Rabba den Gegensatz zum weit weniger umfangreichen biblischen Genesisbuch ausdrücken soh, weist Albeck (S. 94) nicht ab. Für die Zeitansetzung bringt Albeck (94 f.) alle Motive, die Zunz veranlassen, Gen. R. dem 6. Jhdt. entstammen zu lassen. Allerdings geht Albeck spätestens bis zum 5. Jhdt. zurück. Auch die Zutaten zum ursprünglichen Text in den Paraschoth 75 und 91 hat Zunz (GV. 177, 188) richtig erkannt, wenn auch heute deren Zahl höher als auf sechs angesetzt wird (Albeck, 103). Klar hat Zunz (GV. 254 ff., GV.2 265 ff.) gesehen, daß mit Parascha 95 unsere Gen. R.-Ausgaben einen anderen Charakter, einen Tanchuma-Charakter annehmen, wenngleich auch schon zu Zunzens Zeit die Aufstellung übertrieben war, daß es keinen דחי רבא gebe. Doch die verwickelten Probleme, die sich an Gen. R 95—101 knüpfen, konnten ja erst durch Theodors großartigen Fund gelöst werden, als er im Cod. Vaticanus den eigentlichen Ber. R. zu den letzten Kapiteln entdeckte. Es kann also getrost ausgesagt werden, die Gen. R.-Forschung ist wohl vielfach über Zunz hinausgegangen, doch nur indem sie auf dem Wege fortschreitet, den ihr Zunz gewiesen.