Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus ostjüdischer Geschichte [Rezension]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 6)
- Language
- German
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198 Louis Lewin The Ghetto Lane in Vilna, 65 pictures by M. Yorobeichic, preface by S. Chneour, רחוב היהודים בוילנה, Grell Füssli Publishers, Zürich-Leipzig (1931). Die prächtigen Bilder sind mitten aus dem pulsierenden Leben und Treiben in der Wilnaer Judenstadt entnommen. Die lapidare englische und hebräische Einleitung sowie die ebenso gehaltenen Erklärungen des Bildmaterials führen schnell in Architektur, Rasse, Typ und Arbeit ein. Die Ausstattung ist vornehm. Willy Cohn hat in den Schlesischen Lebensbildern, Band 4, Breslau 1931, Priebatschs Verlag, Markus Brann eine warmherzige Monographie (S. 410—416) gewidmet. Die ,,Quellen zur Geschichte der Juden in Deutschland“ hat Brann nicht verfaßt, sondern besprochen. Rabin, Israel, Beiträge zur Rechts - und Wirt- Schaftsgeschichte der Juden in Schlesien im 18. J ahrhundert. Heft I. Der rechtliche Zustand (1713—1740). Wissenschaftliche Beilage zum Bericht des jüd.-theolog. Seminars (Fraenckelsche Stiftung), Hochschule für jüd. Theologie, für das Jahr 1931 (Breslau 1932). Diese Beiträge sind eine um so wertvollere Bereicherung auch der ostjüdischen Geschichte, als sie großenteils aus archivalischen und anderen wenig bekannten Quellen fließen. Groß war der Anteil der polnischen . Judenschaft. Mit allen Mitteln ,,möchte sie ins Land gelocket werden“, das war der heiße Wunsch des schlesischen Kommerz-Kollegiums (S. 45). Das schlesische Judenregal war im 17. Jahrhundert hart umstritten. Der Kaiser wollte die Juden, wie in Böhmen und Mähren, zur Zahlung von Schutzgeldern heranziehen. Dagegen wehrten sich Fürsten und Stände. Ging es hier im Grunde um Stärkung oder Schwächung der kaiserlichen Macht, so fühlten auf der anderen Seite ein Teil der Kaufmannschaft und die gesamten Zünfte durch die Ausbreitung des jüdischen Handels sich bedroht. Alles aber, das am Außenhandel interessiert war, war einig in der Begünstigung der Träger desselben, der auswärtigen Handelsjuden. Ordnung in diese widerstreitenden Interessen suchte 1713 das sogenannte Toleranzedikt zu bringen, eine nichts als ,,fiskalische Verordnung“. Toleranz- oder Judenämter schalteten und walteten nun über die schlesische Judenschaft, soweit sie seßhaft war.