Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zu Moses Cordovero [Nachricht]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 1)
- Language
- German
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Horodezky: Zu Mose Gordovaro 167 Zu Mose Cordovero. Auf die Einwände 6. Scholems (S. 452 ff. des vorigen Jahrganges) erwidert Herr Dr. Horodezky: 1. Der Pantheismus bei C. Auf S. 38—39 meiner Einleitung bringe ich eine Reihe von Zitaten aus C., die ich nicht anders denn als pantheistisch auffassen kann, wobei ich einmal feststelle, daß ,,Umrisse dieser Weltanschauung sich in der jüdischen Mystik schon früher nachweisen lassen“, und andererseits, daß C. selbst ,,offenbar nachträglich Bedenken darüber empfindet, diese Meinung so klar und deutlich zum Ausdruck gebracht zu haben“. C. spricht unzweideutig aus: ,,Alles ist in Gott, und Gott ist in allem. Alles ist aus ihm geworden; kein Ding ist, das des Göttlichen ledig wäre“ (Elima IX, 25; vgl. Pardes VI 3; Schiur Koma XV u. v. a. m.). Der von Scholem mir entgegengehaltene Satz des C.: ,,Die Schöpfung (בריאה) sei außerhalb der Grenzen der Gottheit“ beweist nichts gegen meine Behauptung, denn im Nachsatz ergänzt sich G. selbst dahin: ,,daß dennoch, keineswegs, eine Grenze sein soll“ (Pardes XVI, 1; das ganze Zitat steht übrigens in meiner Anthologie, S. 227). ׳ Ich muß dabei bleiben, daß die von mir angeführten Belege von G. deutlich für eine pantheistische Weltanschauung sprechen. 2. Die Verdrängung der Kabbala Cordoveros durch die •1 urianis che. In meiner Abhandlung lege ich dar, wie nach dem Tode G.s und Lurias die Lehre des ersteren zurückzugehen anfing und die des letzteren Oberhand gewann. Manche Anhänger G.s gingen zu Luria über. Leistung und Verdienst G.s wurden freilich weiter anerkannt, aber er galt nicht mehr als der echte Kabbalist, der die Offenbarung von dem Propheten Elia erhalten hat —• was, nach der Sage, bei Luria der Fall gewesen ist. Man unterschied nunmehr zwischen dem Verstandeskabbalisten, der die Probleme der Kabbala forschungsmäßig erarbeitet hat, und dem Offenbarungskabbalisten, dem sie auf übersinnliche Weise kundgetan worden sind. Als Vertreter des ersteren Typus galt C., und wenn ich nun die Definition dieses Unterschieds wahrheitsgemäß einen geflügelten Ausdruck nenne, erwidert Herr Scholem, man würde in der ganzen kabbalistischen Literatur vergeblich nach einem solchen geflügelten Ausdruck suchen. Aber ich wollte damit nur eine Realität umschreiben; es kam eine Zeit, da man mit der spekulativen Kabbala des G. nichts mehr zu tun haben wollte. Den Unterschied zwischen den beiden Kabbalisten möchte ich wissenschaftlich kurz so definieren: G. ging rationalistisch vor, Luria war ein echter Mystiker. Den G. beschäftigt das Problem Gott und sein Verhältnis zum Menschen, den Luria umgekehrt der Mensch und sein Verhältnis zu Gott. Diese Tatsachen, deren historische Konsequenz ich zuletzt in dem Schlußabschnitt meines Aufsatzes über C. in der ,,Encyclopaedia Judaica“ (Bd. V, Sp. 667 f.) dargelegt habe, haben mit einem vermeintlichen Mißverstehen der Wendung עולם התוהו nichts zu tun. Übrigens bezeichnet dieser Ausdruck überall, wo er auftritt, den Gegensatz zu עולם התקון, den Begriff des Chaotischen gegenüber dem Geordneten, und in diesem Sinne