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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 2 · p. Seite 161

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 2
Article
Benjamin Disraeli, Juden und Judentum
Date
1932-01-01
Page
Seite 161 (sequence 10)
Language
German
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Benjamin Disra&li, Juden und Judentum 161 Anläßlich der bulgarischen Greuel hielt sich Disraeli etwas zurück, er nahm eben nicht alle Schauerberichte für bare Münze; da sagte Gladstone, der nach langer Pause wieder in den Vordergrund trat und weiterhin gegen ihn wütete, zum Herzoge von Argyll: “I have a strong suspicion that Dizzy's crypto-Judaism has had to do with his policy. The Jews of the East bitterly hate the Christians, who have not always used them well.“ Einer der Schlimmsten, wir müssen es hier leider hervorheben, war Carlyle, der in Disraeli stets den Juden und nur den Juden sah. Als dieser durch die Wahlen von 1874 endlich mit einer großen konservativen Mehrheit den Gipfel der Macht erklommen hatte, wollte er in seiner versöhnlichen Art dem berühmten Philosophen und Schriftsteller einen hohen Orden und eine Pension verleihen. Carlyle lehnte beides ab, beurteilte aber Disraeli nun etwas milder. Freilich hielt diese Stimmung nicht lange vor. Disraeli wurde wieder “a cursed Jew, an accursed being, the worst man who ever lived“. Sein treues Verhalten zu den Juden und zum Judentum wurde Disraeli also nicht leicht gemacht. Eine viel natürlichere Erklärung ist, daß er im langen Kampfe um die Gleichberechtigung der Juden ihre Vorzüge den Zeitgenossen vor Augen führen mußte, diese von ihrem argen Vorurteile zu befreien wünschte. Und wenn in diesem schweren Kampfe sich auch das jüdische Blut regte, weit mehr drängte ihn sein stark ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl. In dem schon erwähnten Briefe an Mrs. Brydges Williams heißt es geradezu: “Thought, and the mysterious sympathy of Organisation, häve led me to adopt the views with respect to them (sc. his race), which I have advocated, and which, I hope I may say, have affected in their favour public opinion.“ Im Zusammenhang damit darf man es nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß Disraeli eine religiöse Natur war, was sehr oft nicht beachtet wird: “I am a believer in destiny“, schreibt er in einem Briefe an Mrs. Bulwer Lytton, nachdem er in Maidstone (1837) ins Parlament gewählt worden war, ״we are children of the gods and are never more the slaves of circumstances than when we deem ourselves their masters.“ In einem Briefe an Lord John Manners (und auch sonst): "I mean D. V. (= Deo volente .אי״ד) to give the last blow to 'Progress' on Friday.“ — ,,Will,“ fragt er am Monatsschrift, 76. Jahrgang 11

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