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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 2 · p. Seite 145

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 2
Article
Zur Geschichte der Aufklärung bei den Juden
Date
1932-01-01
Page
Seite 145 (sequence 7)
Language
German
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Zur Geschichte der Aufklärung bei den Juden 145. der Mendelssohnschen Ideen zu entfalten1. Zu Beginn der 20 er Jahre scheinen die Warschauer Aufklärer in engem Kontakt mit den Berlinern gestanden und Berlin gleichsam als ihre Metropole angesehen zu haben. Der spätere Zensor Jakob Tugendhold2 eröffnete im Jahre 1819 in Warschau die ersten weltlichen Schulen für die jüdische Jugend. Ein Jahr später organisierte er schon als Beauftragter der Regierung vier Elementarschulen für jüdische Kinder, zu deren Inspektor er ernannt wurde3. 1822 wurde Tugendhold noch zum Sekretär der Warschauer jüdischen Gemeinde (Dozor Bozniczy) bestimmt. Aber schon früher griff er in die Diskussion ein, die sich einige Jahre nach der. Gründung Kongreß-Polens um die Judenfrage in Polen entsponnen hatte. Er schrieb eine Verteidigungsschrift gegen die antisemitischen Ausfälle u. d. T. ,,Jerubaa 1“ (1818), in der er unter, anderem seine Assimilationsgedanken zeigt. Für das damalige jüdische Warschau waren nun sein Vorgehen und seine Ideen zu radikal. Schon die Tatsache, daß er hier polnische Schulen für jüdische Kinder eröffnet hatte, reizte einen großen Teil der dortigen orthodox gesinnten Juden gegen ihn auf. Außerdem scheint er noch private Feinde gehabt zu haben. In der ersten Zeit seiner Anwesenheit in Warschau war Tugendhold als Privatlehrer bei Jakob Epstein4 tätig gewesen (etwa 2 Jahre lang). In ׳der Folgezeit spricht Tugendhold von 1 Vgl. Kandel in: Kwartalnik poswi^cony badaniu przeslosci zydow w Polsee, Warschau 1912, I, H. 1, S. 108. 2 Jakob Tugendbold, geb. 1794, gest. 1872, floh um 1812 aus Dzialoszyce (Polen), wo er Frau und Kinder zurückließ, nach Breslau und besuchte dort das St.-Elisabeth-Gymnasium. (In den Akten des Gymnasiums ist sein Name jedoch nicht erwähnt. Dagegen ist sein jüngerer Bruder Wolf — nachmaliger Zensor in Wilna —, der dem älteren Bruder später nach Breslau ge folgt ist, in der Matrikel von 1813/14 unter dem 12. September eingetragen.) [Freundliche Mitteilung von Studienrat Dr. J. Schulz-Breslau, dem hiermit gedankt werden soll.] Nach einem etwa zweijährigen Aufenthalt in Krakau kam er nach Warschau, wo er als Aufklärer, Gründer jüdischer Schulen, Zensor und Direktor der Rabbinerschule eine ziemlich bedeutende Rolle spielte. 3 Tugendhold-Akten (Handschriftlicher Nachlaß in der Bibliothek der Synagogengemeinde Tlomackie, Warschau) Bd. I. Vgl. auch ZG JD. 1929, S. 264. 4 Über Epstein vgl. Frenk a. a. O. II, 23 ff. Monatsschrift, 76. Jahrgang 10

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