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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 6 · p. Seite 465

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 6
Article
Zur Pessach-Haggada [Nachricht]
Date
1931-01-01
Page
Seite 465 (sequence 1)
Language
German
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465 Zur Pessach-Haggada. Zu dem Aufsatz der Frau Wischnitzer im letzten Heft haben wir mehrere Zuschriften erhalten. Herr Rabbiner Dr. Grün wald in Wien schreibt: Ich habe bereits 1898 (vgl. Mitteilungen für Jüdische Volkskunde, 1929, S. 57) nachgewiesen, daß die Kupfer der Amsterdamer Haggada aus einer ebendort erschienenen Bilderbibel stammen, die ich in Hamburg im Besitz des Herrn Moses Mainz vorgefunden habe. Für die Annahme, daß der Drucker Pröops diese Kupfer für seinen Zweck benutzt hat, spricht u. a. das Kreuz auf der Kirche im Hintergründe des Bildes vom Besuch der Engel bei Abraham (das Kreuz ist in späteren Ausgaben weggefallen). Die Gruppe der vier Söhne stimmt bis in Einzelheiten mit den ,,vier Menschenaltern“ bei Dryander, Der Arzney gemeiner Inhalt, Frankfurt 1542 (H. Boesch, Kinderleben in der deutschen Vergangenheit S. 6) überein. Weiteres in den ״Mitteilungen“ a. a. O. Herr Rabbiner Dr. K 0 b e r in Köln bemerkt zu S.. 311, daß die in Köln 1925 veranstaltete Jahrtausendausstellung ihren Niederschlag bereits im Katalog der Jahrtausendausstellung der Rheinlande 1925 gefunden, hat: ״Juden und Judentum im Rheinland“, S. 315—339. Herr Erich T o e p 1 i t z in Frankfurt a. M. weist darauf hin, daß er in der Zeitschrift Menorah, 1924, Heft 4, 6 und 7 den gleichen Gegenstand, und zwar in völlig abweichender Weise, behandelt hat. Ferner erhalten wir folgende Zuschrift: I. In ihrem sehr lehrreichen Artikel ״Von der Holbeinbibel zur Amsterdamer Haggadah“ (oben S. 282) wie auch in der EJ. VII, 811 bezeichnet Frau Wischnitzer die in Venedig 1629 bei Pietro, Aluise und Lorenzo Bragadina gedruckte Bilderhaggadah als die ״älteste“ erhaltene Venetianische Ausgabe. Diese Angabe bedarf einer Berichtigung. Es genügt, das Titelblatt dieser Ausgabe aufmerksamer zu lesen, um sich zu überzeugen, daß, was die Bilder betrifft, ein Nachdruck vorliegt. Denn es heißt ja ausdrücklich: ,,Hergestellt und erdacht vor ungefähr 20 Jahren durch den Greis . . ., der Weisheit erworben hat, Israel Zifroni . . . Nun wurde der Kommentar ,Zeli Esch‘ hinzugefügt הכינה ונם חקרה זה כמו עשרים שנה זקן שקנה חכמה 4 .. כמ״ר ישראל זפרוני ז״ל. ואלה מוסיף על הראשונים פירוש צלי אשי...“ In der Tat erschien im Jahre 1609 (also genau vor 20 Jahren) bei di Gara die Haggadah mitUebersetzungen ins Spaniolische, Italienische und ins Jüdisch-Deutsche, welche bereits die Bilderzyklen der späteren Ausgaben enthält und ist bei )Steinschneider unter Nr. 2689 verzeichnet (Wiener ist mir z. Z. nicht zugänglich). Neu ist in der Ausg. 1629 nur der Komm., dessentwegen der Satzspiegel von 23,5x17,5 cm auf 26,5 x 20,5 cm erweitert wurde. Die Angabe daß Israel Zifroni ״der Weisheit erworben hat“ (gemeint ist wohl Fertigkeit in der, Druckerkunst) zuerst diese Bilderhaggadah besorgt hat, scheint mir von nicht geringer Bedeutung zu sein. Israel Zifroni arbeitete zuerst (1567) bei Conti in Sabbioneta, nachher in Frei bürg und in Basel, wo er an der Talmudausgabe (1578—81) teilnahm; ich habe an anderer Stelle darauf hingewiesen, daß Conti in seinen Ornamenten einen starken deutschen Einfluß aufweist. Der Aufenthalt Zifronis in Freiburg und Basel mußte diesen Einfluß bedeutend stärken. Wenn nun in der Venetianischen Haggadah gegen alle Gepflogenheit des ital. hebräischen Druckerstils Initialen auf einem Hintergrund von Genrebildern Vorkommen, so wird es wohl diesem seinem Aufenthalte in Basel zu: zuschreiben sein. Das hebräische Zieralpbabet der ital. Druckereien des 16. Jahrhunderts hat als Hauptmotiv Vase mit Rankengeflecht und keine menschlichen Figuren (vgl. meinen Artikel ״Zum Schicksal eines Zieralphabeths“, Kirjath Sefer VI, 249—58), während das hebr. Zieralphabet in Basel in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zum Teil mythologische Figuren als Grund hat (z. B. die Titelbll. der einzelnen Traktate, Aruch, Basel 1599 u. m.). II. Da man aus der Darstellung von Frau W. den Eindruck gewinnt, als ob die Ausgabe von 1629 resp. 1609 die älteste venetianische Bilderhaggadah überhaupt (vpn dem sehr zweifelhaften Bilderblock abgesehen) darstellt, will ich noch kurz auf eine andere venetianische Bilderhaggadah, welche jener unmittelbar vorausging, die Aufmerksamkeit lenken. Es handelt Monatsschrift, 75• Jahrgang. 30

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