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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 6 · p. Seite 444

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 6
Article
Vulliauds Übersetzung des Sifra Di-Zeniutha aus dem Sohar und andere neuere Literatur zur Geschichte der Kabbala [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 444 (sequence 1)
Language
German
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444 Vulliauds Uebersetzung des Sifra Di-Zeniutha aus dem Sohar und andere neuere Literatur zur Geschichte der Kabbala. Von Gerhard Scholem in Jerusalem. III. Betrachten wir nun die Uebersetzung Vulliauds etwas näher, die uns in zwiefacher Gestalt geboten wird: eine wörtliche und eine paraphrasierte Uebersetzung, welch letzterer, ,,soweit es notwendig schien“, in Kursivdruck noch kommentierende Bemerkungen beigegeben sind. Ueber seine Leistung und deren Absicht äußert sich V., indem er gleichsam der Kritik zuvorkommt, so: ,,II se pourrait qu’un esprit malin — il y en a encore dans le monde seien tifi que — s’empressät d’exprimer ä haute voix que, le Siphra di- Zeniutha ayant traduit en latin et ins^re dans la Kabbala denudata de Knorr, il m’a suffi de traduire ladite Version. Je ferais observer que je devais pr^cisement tenir compte de ce travail. Il me semble impossible de traduire le texte du S. Z., en lui donnant une signification quelconque [H G. Sch.], sans recourir ä cette edition qui contient heureusement un indispensable commentaire. ... Je ne me suis pas astreint avec servilit6 k reproduire le commentaire ins£r£ dans le Knorr, j’en ai use pour autant qu’il m’a paru n^cessaire ä l’intelligence du texte ä traduire. Je me suis efforcö de produire une osuvre de p6n6tration intellectuelle.“ Diese Verwahrung gegen die esprits malins, die auf die Idee kommen könnten, den Wälzer des guten alten Knorr aufzuschlagen, um die eigene Leistung dieses Uebersetzers desto besser würdigen zu können, diese Ankündigung einer ,,geistigen Durchdringung“ — unter dieser Losung pflegt es auch in Deutschland nicht selten über die bösen Philologen herzugehen, wenn es gilt, sich um deren Kriterien herumzudrücken — all dies verheißt, um die Wahrheit zu sagen, nichts Gutes. Denn es ist schon so: da der Autor von den oben näher bezeichneten Wegen methodisch sicherer Uebersetzung nie gehört hat, seine aramäischen Kenntnisse offenbar auch recht sonderbarer Natur sind, zur selbständigen Heranziehung anderer Texte ihm jede Quellenkenntnis fehlt, so ist er auf Knorrs Werk angewiesen, von dem er sich an einigen Stellen mit Hilfe eines aramäischen Wörterbuchs zu unterscheiden sucht. Und da Chajim Vitals Kommentar, nach dem Knorr interpretiert, sich zum Text des S. Z. verhält wie das S. Z. zum Text der von ihm besprochenen Bibelverse, kann man leicht ermessen, welches willkürliche und verlegene Spiel hier als ,,geistige Durchdringung“ eines Buches auftritt, dessen Verständnis mit den Mitteln der Intuition am allerwenigsten gedient sein kann, wenn es deren Anwendung auch noch so lebhaft scheint provozieren zu wollen. Daß der große, dreimal (freilich nur auf hebräisch) gedruckte Kommentar zum S. Z. eines so scharfsinnigen und methodischen Kopfes wie des Gaon R. Elia von Wilna1, der trotz seiner lurjanischen Scheuklappen doch immer wieder durch seine sorgfältige Heranziehung der Parallelen im Sohar zu positiv brauchbaren Ergebnissen vordringt, Vulliaud unbekannt geblieben ist, kann nach all dem oben * Vgl. meine Bibiiograpliia Kabbalistica S. 193.

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