Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 391 (sequence 1)
- Language
- German
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391 Dalmasi, Gustafs Jerusalem und sein Gelände. Mit 40 Abbildungen und einer Karte. Druck und Verlag v. C. Bertelsmann in Gütersloh, 1930, X + 30 S. groß 8°. Preis geheftet 20 M., gebunden 22 M. Der unermüdlich und rüstig weiter arbeitende Prof. Dalman wendet in diesem Werke die gleiche Methode, die wir gelegentlich der Besprechung von ״Arbeit und Sitte in Palästina“ (MGWJ 1929, 250 ff.) charakterisierten, auf die Topographie Jerusalems an. ״Im Rahmen einer topographisch gehaltenen Beschreibung des Geländes von Jerusalem bietet dieses Buch eine kurzgefaßte Erörterung der zahlreichen Lokalfragen, welche die biblische Geschichte an die Hand gibt. Der Ausgangspunkt ist dabei vom heutigen־ Befund genommen . . .“ Unter ״biblische Geschichte“ ist bei Dalman, wie ja selbstverständlich, auch die evangelische Geschichte gemeint; daher sind die topographischen Fragen der Zeit des zweiten Tempels mitbehandelt unter Benutzung der mischnisch-taldmudischen Schriften. Man darf sagen, daß Dalman all das bietet, was er selbst auf Grund jahrelanger Forschung im Lande, und was andere in den letzten 4—5 Jahrzehnten auf diesem Gebiete festgestellt oder erörtert haben. Dabei kann man das Gefühl nicht unterdrücken, daß trotz eifrigster Forschung noch sehr viel Unsicheres auf diesem Gebiete vorhanden ist, und daß die meisten ungelösten Fragen wohl für immer als Problem gelten werden. Der Verf. selbst empfindet das und fordert (im Vorwort) andere auf, in diese Arbeit einzutreten; ״vor allem mögen Grabungen an entscheidenden Punkten ihr neue Grundlagen schaffen.“ Eine solche Grabung ist bekanntlich vor einigen Jahren von jüdischer Seite im Norden Jerusalems zur Feststellung des Laufes der dritten Mauer ausgeführt worden, die Dalman mit Recht Agrippa I zuschreibt (vgl. S. 94 ff.)1. Dalmans Buch beschränkt sich nicht bloß auf das Stadtgebiet, sondern faßt auch die nähere Umgebung Jerusalems ins Auge, worüber die dem Buche beigegebene Karte (1:20 000) eine vorzügliche Uebersicht gewährt. Zwei Teilkarten zeigen Jerusalem in den Tagen Nehemias bezw. Herodes. Ein kurzer Ueberblick des Inhaltes des vorzüglich ausgestatteten, mit prachtvollen Flieger- und Bodenaufnahmen versehenen WerKes möge eine Vorstellung von seinem Reichtum bieten. Nach Besprechung der Ortsappelativa und der Mittel zur Veranschaulichung in der Einleitung, folgt die Ortsbeschreibung und zwar: A. die Höhen, B. die T ä 1 e r, G. die Wege, während unter D. die wichtige Frage der Wasserversorgung Jerusalems behandelt wird. Eine Anzahl von Registern beschließt das Buch. Es braucht nicht hervorgehoben zu werden, daß ein Forscher vom Range Dalmans objektiv genug ist, dem jüdischen Biedlungswerk Palästinas Beachtung zu schenken. Aber man empfindet dennoch eine besondere Unter- Streichung des arabischen Palästinas. ״Die Wirklichkeit eines wichtigen Teils des arabischen Palästina soll vor dem Leser erstehen, auch mit seinen Oetsbezeichnungen, ohne welche das Land eine tote Bache wäre“, so heißt es im Vorwort. Und doch muß jeder Kenner Jerusalems zugeben, daß die unzähligen arabischen Namen, die jeden Steinhaufen und jede Erdvertiefung mit einer besonderen Bezeichnung versehen, nicht das geringste zur wirklichen Belebung der Stadt und seiner Umgebung beitragen. Neues Leben brachte erst die jüdischestädtische Siedlung in die wüste Umgebung der Stadt. Einige wenige Bemerkungen mögen diese Besprechung schließen. S. 86 wird gesagt, B e t h s 0 (in der Beschreibung des Mauerlaufes bei Josephus) ״müsse“ hebr. bet söä ״Unratsplatz“ sein; sonst käme bNsü‘ ״Abschnitt“ in Frage (Anm. 6). Zu der von mir (MGWJ 1915, 168) *vorgeschlagenen Erklärung בית סאה wird keine Stellung genommen. Der Vorschlag (S. 194 f.) betreffs der Westwand des Tempels, der auch der internationalen Kommission des Völkerbundes vorgelegt wurde, wird wohl ein frommer Wunsch bleiben. Zu S. 205 über die ״Pforte des Gehinnoms“ bei Jerusalem wäre auf L ö w, Flora II, 312 zu verweisen. Bei der Frage der Pilatus-Wasserleitung (S. 278) darf nicht übersehen werden, daß, falls es sich um die Leitung von ‘Eta m gehandelt hätte, die Wasser zum 1 empelplatz führte, der Zorn des Volkes 1 Vgl. die soeben erschienene Arbeit חפירות החומה השלישית של ירושלים העתיקה von E. L. Sukenik und L. A. Mayer (Jerusalem 1930, University Preß). Sie ist auch englisch erschienen.