Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Neuere Josephusschriften [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 387 (sequence 2)
- Language
- German
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387 fertigt wird (ganz anders als z. B. bei Sulpicius Severus ehron. II 30, 6 ,,at contra alii et Titus ipse evertendum in primis templum censebant“). J. fühlt sich in dieser Motivierung als Fortsetzer fast der Propheten. Diese Erkenntnis und die Betrachtung der geographischen und militärischen Exkurse zwingen zu dem Resultat, daß J. ein flavisches Werk benutzt habe. Damit ist das eingangs genannte Problem schärfer formuliert, die Quelle des J. sind Werke, die aus dem Herrscherhause selbst stammen. Dies zu erhärten, ist die Aufgäbe des Hauptteiles des Buches. Das flavische Werk begann mit Vespasian, daher kann J. von seinen Taten erzählen, die seinem — des Vespasian — Eintritt in den jüdischen Krieg vorausliegen. Das Werk zeigt einen einheitliehen Grundstock, eine einheitliche Idee: Vespasian erscheint als der Retter. Durch diese Quelle kann J. genaue Angaben über die Heeresstärke der Römer machen, von hier aus erklärt sich, daß Vespasian so stark im Mittelpunkt seiner Heerestätigkeit steht, daß so genaue und ausführliche Exkurse über das Land und seine Beschaffenheit eingelegt sind. Mit IV, 658 beginnt das Bellum Titi hierosoly mitanum. J. trennt selbst in seiner Verteidigung gegen seinen literarischen Feind Justus von Tiberias die commentarii des* Vespasian von den commentarii des Titus. Eine Vorstellung von dem Genos dieser Literatur liefern die commentarii Caesars. Sie sind tagebuchartige Notizen, sind eine Sammlung einzelner Akte. In ihnen treten die Führer und Feldherren zurück, Titus steht im Mittelpunkt der ganzen Aktion. Schön ist hier der Hinweis auf die Reden bei J., die direkten sind — wie stets in der antiken Historiographie — das Werk des Verfassers, des J,. die indirekten stammen aus der Quelle, und sie sind bisweilen sogar antijüdisch. Titus wird in Gefahren gezeichnet, Titus wird gelobt, eine Apologie seiner Strategie nimmt bei J., nahm schon in der flavischen Quelle einen breiten Raum ein, das ist offenbare Tendenz. Auch bei Titus wird das Rettermotiv angeschlagen und Wendungen, wie sie auf den gleichzeitigen Münzen zu finden sind, kehren in diesem sozusagen amtlichen Werke wieder. Da J. nun einmal diese Quelle benutzt, bringt er nach dem Abschluß des eigentlichen jüdischen Krieges noch die Germanen- und Sarmatenkämpfe des Titus, läßt aber gelegentlich fort, was zu aktuell ist und zu wenig Beziehung zu den Juden hat. Aber er geht so weit, die Beschreibung des Triumphzuges aus der Quelle zu übernehmen, die überhaupt nicht zur Freude der Juden niedergeschrieben sein kann, und in der vom Leuchter und sonst vom Römer aus gesprochen wird. So stark lebt er unter dem Eindruck seiner Quelle. Ist es da verwunderlich, daß Titus sein Werk gelobt und es als die einzige richtige Darstellung sanktionierthat? Der Verfasser gewinnt seine m. E. überzeugenden Resultate nicht aus Josephus allein. Er zieht die anderen Historiker heran, .besonders Tacitus, und zeigt durch Betrachtung des Inhaltes und der Sprache, daß Tacitus auch die commentarii des flavischen Hauses gekannt und benutzt habe, daß er aber in seiner Tendenz sich nicht hat beeinflussen lassen. Es steht gewiß außer Zweifel — obgleich auch diese Meinung noch vorgetragen wird —, daß Tacitus den Josephus nicht benutzt hat. Aber ihre Uebereinstimmung ist zu auffallend (cf. V, 71—75 mit hist. 12 Weber S. 103 oder S. 183). Bisweilen hat Tacitus mehr, wie das Sarapiswunder, das J. nicht aufnimmt und Tacitus ja (S. 254—257). Wenn Tacitus ein Bild des Vespasian und des Titus selbst zeichnet, so weicht er absichtlich hierin von J. ab, der wünscht, seine Leser sollten dieses Bild aus der Darstellung gewinnen. Das geht so weit, daß Domitian wie Vater und Bruder bei J. gezeichnet sind, bei Tacitus aber sein Haß gegen Domitian deutlich durchblickt. Die Mituntersuchung der Taciteischen Quelle ist die Hauptstütze für das Ergebnis bei J., aber es kommen andere Beweise dazu. Sehr stark arbeitet der Vf. mit der Terminologie: Soter (das Rettermotiv), Staseis (die Revolutionen), als welche der Aufstand der Juden bezeichnet werden, die Bilder Vespasian, Titus bis zu Hadrian und seiner Charakteristik (P. Giss. 13), die Unterschiede der Auffassungen über den Krieg im bellum und in J.s vita, das Verhältnis Sueton-Josephus, alles dieses wird herangezogen, um das gewonnene Resultat zu stützen. Nicht zuletzt die Hinweise auf die reale Politik, die J. post eventum treibt. Ist so der Kern des Buches behandelt, so muß doch auch noch auf anderes hingewiesen werden: auf die Einwirkung der Memoirenliteratur auf die große Geschichtsschreibung, auf die Gedankenfassung der Rettung des Reiches, auf den schon bis in die Zeit Agamemnons zurückzuverfolgenden Kampf 25*