Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 384 (sequence 4)
- Language
- German
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384 des weisen Achiqar (Kap. VIII) ausgedehnt hat. Letzteres ist ־am so interessanter, als ja die Beziehungen des Achiqar-Buches zur assyrisch ־babylonischen Literatur hinreichend bekannt sind (vgl. Meißner, A-O. 16. Jahrg., 2.), hier nun aber auf die Vergleichung zwischen Achiqar und der didaktischen Literatur der Aegypter hingewiesen wird. Besonderes Interesse erweckt das 9. Kapitel: Ped agogie et morale des Sages egyptiens et israölites. Hier sucht der Verfasser auf Grund der in den vorgehenden Kapiteln gegebenen Erörterungen einen zusammenfassenden Ueberhlick zu geben über die allgemeinen Richtlinien der Erziehung und der Moral von seiten der Weisen Aegyptens und jener Israels. Sowohl hier wie dort äußerten sich die Grundlagen der Erziehung in Geboten (סצו1ת), in der Gesetzeslehre (ת1דדי) und in Manneszucht (מוסר), und sowohl in Aegypten als in Israel hatten die Weisheitslehren einen rein traditionellen Charakter und stimmen auch in ihren moralischen Grundideen überein. Und da wie dort waren es drei Hauptlehren, die den Jüngeren eingeprägt wurden: die Pflichten gegenüber Gott, den Menschen und sich selbst. Und dies führt uns der Verfasser in klarer Weise vor Augen und faßt seine Resultate in folgenden Worten zusammen: ״En conclusion, et la pedagogie et les principales idöes morales des sages israelites nous paraissent ötroitement pareilles voire dependantes de celles des sages egyptiens“. Zum Schlüsse folgt dann noch ein X. Kapitel, betitelt: ״C on clusions“, in dem der Verfasser alles das zusammenfaßt, was er als Resultat seiner hier niedergelegten Betrachtungen und Forschungen zu finden vermutete. Und wenn wir dem Verfasser auch nicht in allem und jedem beizustimmen vermögen, können wir doch nicht umhin, seine Arbeit als eine beachtenswerte Bereicherung der wissenschaftlichen Literatur — sowohl der ägyptologischen als auch der bibelkritischen — bezeichnen zu müssen. Budapest. _ Ed. Mahler. H. EL Schaeder, Esra der Schreiber (Beiträge zur historischen Theologie 5), Tübingen (Mohr) 1930, VIII, 77 Seiten. Das kleine Schriftchen, das von der Untersuchung der Bezeichnung Esras als Schreiber ausgeht, gibt in Methode und Resultat weit mehr. Die Komposition der Bücher Esra und Nehemia wird untersucht, die Bedeutung der drei hauptsächlichen Quellen als historische Quellen ersten Ranges auf־ gezeigt, die Dauer der Wirksamkeit Esras auf das eine Jahr 458/57 fixiert, die Stellung Esras innerhalb der persischen Reichs Verwaltung bestimmt, die Entstehung des Schriftgelehrtentums dargelegt und schließlich Esras Wirken und seine geschichtliche Bedeutung kritisch gewürdigt. Darüber hinaus ent־ hält die Schrift eine Reihe wesentlicher Einzelbemerkungen und Einzelunter־ suchungen zu Problemen von weittragender Bedeutung. Die philologischen, literarhistorischen und historischen Probleme werden mit sicherer Methode ohne geistreiche Apergus sachlich erörtert. Das Gesamtergebnis ist ohne weiteres anzunehmen, gleichviel ob da oder dort Einzelkorrekturen am Platze sind. Verfasser hat mit seiner kleinen Arbeit zur Erkenntnis und Würdigung jener Zeit und damit auch der von Esra ausgehenden Entwicklung des Juden־ tums einen überaus wertvollen Beitrag geliefert. Als Schreiber von dem Ressort des Gesetzes des Himmelsgottes, das heißt also als persischer Be־ amter mit besonderem einmaligem Auftrag — wir würden heute etwa sagen: als Staatskommissar zur Einführung der Thora als Grundgesetz für das jüdische Gemeinwesen in Palästina — ist Esra 458 nach Jerusalem entsandt worden. Seine Denkschrift, bestimmt als Rechenschaftsbericht für die Reichsverwaltung und für die Juden in Babylonien, die sein Unternehmen unterstützt haben, sowie schließlich für die Nachwelt, enthält die königliche Bestallung, den Bericht über seinen Zug und seine Ankunft, über die Ablieferung der Weihegaben, über die Versammlungen vor dem Wassertore und die Festfeiern im Tischri sowie über seine Aktion zur Auflösung der Mischehen. Außerdem enthält sie das Verzeichnis der Heimkehrer unter Kyros, eine psalmartige Darstellung der Geschichte und das Gebet Esras. Die Berichte über die Veranstaltungen im 7. Monat einschließlich des Psalms sind von dem Chronisten fälschlich in die privaten Aufzeichnungen Nehemias eingefügt worden. Wie das gekommen ist, zeigt Verfasser S. 23 ff. Die scheinbare chronologische Verwirrung in Esra 47 bis 6 löst sich einleuchtend durch die Erkenntnis dieses