Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 382 (sequence 2)
- Language
- German
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382 Ptahhotep, des Kagemni und des Merikara, an die Klagen des Bauern und insbesondere an das Weisheitsbuch des Amenemope sowie an das Gespräch eines Lebensmüden mit seiner Seele, und an die ,,ägyptische Schulnandschrift der 20. Dynastie“. Eine gar reichliche Literatur ist hierüber in den letzten Jahren entstanden, und diese in übersichtlicher Weise nach streng wissenschaftlichen Methoden behandelt und erörtert zu haben, ist das Verdienst des vorliegenden Buches, mit dem uns sein Verfasser, Prof. Paul Humb e r t, jenes ägyptische Material vorzuführen beabsichtigt, das allgemeiner Auffassung nach die Quelle der Weisheitsliteratur Israels sei. Ich sage ״sei“ und nicht ״ist“, weil meiner individuellen Auffassung nach so manche der an die betreffenden Bibelstellen geübten Kritik und so manche der da vorgeschlagenen Interpretationen nicht ganz stichhaltig sind. Fassen wir doch einmal einige dieser Stellen näher ins Auge! In einer seiner lehrreichen Abhandlungen hatte Erman, unser Altmeister auf dem Gebiete der Aegyptologie (vgl. dessen Abhdl.: ״Eine ägyptische Quelle der Sprüche Salomos“, Sitzber. d. preuß. Akad. d. Wiss. 1924, 86 ff.), in geistreicher Weise den Nachweis zu erbringen versucht, daß ein gar nicht altes ägyptisches Buch, die ״Lehre des Amen-em-ope“, weil es ״sich in einigen Stellen direkt mit dem salomonischen Spruchbuche berührt“, letzterem direkt als Vorlage gedient haben soll. Die Berührungspunkte sind nach Erman so innige, daß seines Erachtens ״nicht an eine zufällige Uebereinstimmung gedacht werden kann.“ Und dennoch lassen sich — so verblüffend die Argumente Ermans auch dastehen — gewisse Bedenken, die bei öfterer Erwägung einiger der angeführten Argumente. in den Vordergrund treten, nicht ohne weiteres verscheuchen. Ein Hauptargument zur Unterstützung seiner These glaubt E. in dem Ausdrucke שלשום erblicken zu sollen, das sich in dem Satze (Spr 2220): "הלא כחבתי לך שלשום במעצות ודעת-, vorfindet und das er entsprechend dem dort angeführten Kere: שלשים als ״ — שלשיםdreißig“ interpretiert und sonach in diesem Worte eine Anspielung auf jene 30 Kapitel erblickt, die das Weisheitsbuch des Amen-em-ope umfaßt. Die angeführte Stelle übersetzt E. dementsprechend also: ״Habe ich dir nicht dreißig (Kapitel) geschrieben, mit Ratschlägen und Erkenntnis.“ Ja aber, wenn dem so ist, warum steht dann nur שלשים, warum nicht שלשים דברים oder שלשים מאמרים oder שלשים סו־־כןים oder drgl.? Und ist שלשים der Titel des Buches, so. sollte es doch heißen: ספר שלשים! Zweifellos ist das Wort שלשום, wie es im Bibeltest überliefert ist, eine korrupte Schreibung; aber warum dann hierfür שלשים oder שלישים setzen? Setzen wir doch hierfür das Wort משלים! Dann hätten wir den Satz: הלא כתבתי לך משלים במעצות ודעת, und das Rätsel ist gelöst. Damit soll aber nicht an der These Ermans gerüttelt werden, derzufolge das Buch des Amen-em-ope den Sprüchen Salomos, insbesondere denen von Prov 2217-2310 als Vorlage gedient haben mag; es soll nur darauf hingewiesen sein, daß es keineswegs feststeht, daß Prov 22a0 auf diese These in schlagender Weise hinzudeuten vermag. Ebenso ist die an Prov 234-5 geübte Kritik nicht ganz einwandfrei, indem man hier das Wort für ״Reichtum“ zu vermissen meint und es da״ durch zu ersetzen sucht, daß man im Wort עשת des Satzes עשה יעשדד־לו־ כנפ;ם einfach eine Verstümmelung des Wortes עשר vermutet, ohne zu bedenken, daß man in diesem Falle das Wort עשה nicht einfach durch עשר, sondern durch העשר ersetzen müßte. Und fehlt hier denn wirklich das Wort für ״Reichtum“? Es kommt doch im Worte להעשיר klar genug zum Ausdruck! אל־־תיגע להעשיר heißt doch nicht: ״Mühe dich nicht ab ״reich zu werden“, sondern: mühe dich nicht ab “״להעשיר d. h. ״Reichtum zu erwerben (oder zu verschaffen).“ Und der Ausdruck עשה יעשה ist einfach eine Verstärkung der durch das Verb עשה zum Ausdruck gebrachten Handlung, wie wir derlei Ausdrücke durch zahlreiche Belege zu bekräftigen vermögen. Indem wir aber uns erlauben, dies hier hervorzuheben, geschieht dies nicht etwa in polemisierender Absicht, also nicht etwa so, als ob die vorgeschlagenen Interpretationen den wissenschaftlichen Anforderungen nicht