Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Inschriftliches aus Jaffa
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 374 (sequence 6)
- Language
- German
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374 Die Pedersen'sche Sammlung enthält noch in Nr. 6 und 7 zwei fragmentarische Inschriften, deren Sinn mir leider unenträtselbar blieb. In Nr. 6 durfte das erste Wort בדתה lp] (= קבורתה) zu lesen sein, vgl. Nr. 7, Z. 3 [HirfYDpT Fnimet Meisel, die ebenbürtige Gattin Mordechai Meiseis. Von Prof. Dr. S. H. Lieben in Prag. D. Herzog hat im Septemberheft der Bnai Brith Mitteilungen für Oesterreich eine interessante Schuldurkunde Mardochai Meiseis veröffentlicht, die den bekannten Umfang der Geldgeschäfte dieses Finanzmannes anschaulich beleuchtet. An die Tatsache, daß die Urkunde von Frumet Meisel gefertigt ist, knüpft er aber eine Reihe von Schlüssen, die mir alles eher als gesichert scheinen und nur geeignet sind, eine Frau, der alle, die sie persönlich kannten, das höchste Lob zollen, arg zu verunglimpfen. Nachdem Herzog das ,,Nächstliegende“, wie er selbst es nennt, daß nämlich Frumet in Stellvertretung ihres Mannes Mardochai zeichnet, ohne weitere Begründung in unserem Falle als ,,unwahrscheinlich“ ablehnt, glaubt er annehmen zu können, daß Frumet auf eigene Faust unter dem Namen ihres Mannes sich geschäftlich betätigt hat. Unter Zuhilfenahme des Umstandes, daß Frumet in dem Testamente Mardochai Meiseis1 nichts anderes erhalten hat, als das Recht, mit den beiden anderen Haupterben über ein Gebetbuch, einen Pentateuch und ein Machsor zu losen und zu ermitteln, welches der Bücher ihr zufallen sollte (,,wahrlich ein recht armseliges und auffallendes Bedenken nach einem Mardochai Meisel“) und unter Zuhilfenahme der konstruierten Unwahrscheinlichkeit, daß Meisel seine Frau Frumet schon bei Lebzeiten reichlich bedacht habe, sucht Herzog glaubhaft zu machen, daß das Eheleben Meiseis mit seiner zweiten Frau Frumet ein stark getrübtes gewesen sein dürfte. Er hat als Beleg dafür die bekannte Stelle des Fortsetzers des Emek habacha2 über den Streit Meiseis mit seiner Gattin auf dem Sterbebette ,,an deren Echtheit nicht zu zweifeln ist“. Wohl haben Lieben-Hock in Galed3 diese Stelle stark bezweifelt, wohl hat Foges4 ihr nicht geglaubt, und vor allem steht der Erzählung des fernen anonymen Chronisten der Bericht des erprobten Zeitgenossen entgegen, aber Herzog hält den Bericht des ortsfremden Anonymus doch für unzweifelhaft echt. Besonders bedenklich aber sind folgende Worte Herzogs: ,,Die Ansicht etwa, daß die Zerwürfnisse in sittlichen Verfehlungen Frumets ihren Grund hatten, wie man vielleicht nach den Worten des Fortsetzers des Emek ha־Bäkhä schließen könnte, möchte 1 Veröffentlicht von Alexander K i s c h, Das Testament Mardochai Meysels, Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenstums 37 (1893), S. 25 if. - 2 Mitgeteilt bei Bondy-Dvorsky, Zur Geschichte der Juden in Böhmen, Mähren, Schlesien II, 969. 2 Galed, Deutsche Abt. S. 18, 4 Foges Podiebrad, Altertümer der Prager, Josefstadt, 3. Aufl., S. 35.