Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das jüdische Schulwesen in Palästina
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 369 (sequence 8)
- Language
- German
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369 gleichsam im Stadium der Erlösung und brauche sich ernstlich weder um den fernen Volksgenossen, noch um den nahen Landgenossen zu kümmern. Niemand wird eine solche Theorie äußern; aber viele werden zugeben müssen, daß sie, als Beschreibung der Wirklichkeit genommen, auf weite Kreise zutrifft. Das äußert si ch im Lehrplan z. B. darin, daß eine wirkliche ,,Judenkunde“ von den Schicksalen der Judenheit in den Galuthländern, ein wirkliches Wissen um ihre Nöte und Hoffnungen kaum besteht, vom Verständnis der jiddischen Sprache und Literatur ganz zu schweigen. Auf der andern Seite fehlt, ganz parallel, in beinahe ahen Schulen, selbst den meisten höheren, ein wirklich ernsthaftes Studium der arabischen Sprache und eine ernste Auseinandersetzung mit der arabischen Kultur. Die angeblich gesunde und natürliche ,,Unproblematik“ des jüdischen Kindes in Palästina, über die sich der Tourist freut und deren sich der Lehrer rühmt, beruht nicht darauf, daß die Wirklichkeit bewältigt und die — unlösbare — Judenfrage gelöst wäre, sondern darauf, daß ihre palästinensischen Fakten, daß die fortdauernde Zerstreuung und die Notwendigkeit jüdisch-arabischen Zusammenlebens, in den utopischen Schulraum nicht eingedrungen sind. Deshalb muß diese jüdische Selbstverständlichkeit einmal zerbrechen, und die Judenfrage wird sich binnen kurzem auch in Palästinas Schulen wieder auftun. Es wird dann klar werden, daß eine reale Erziehung des jüdischen Kindes in Erez Jisrael es zur Eingliederung in eine palästinensisch-hebräische Minderheit des jüdischen Volkes und eine jüdisch-autonome Minderheit des arabisch-jüdischen Palästinas führen muß. Diesem gewiß nicht geringen Ziele die ganze Kraft der Begeisterung und Hingabe zu erhalten, die zweifellos in der hebräischen Lehrer- und Schülerschaft in bewundernswürdigem Maße lebendig sind, wird die — heute noch unerkannte — große Zukunftsaufgabe ihrer besten Kräfte sein. Inschriftliches aas Jaffa. Von S. Klein, Jerusalem. Aus dem ausgehenden Altertum ist so wenig an inschriftlichem Material aus Palästina auf uns gekommen, daß jeder kleine Fund oder selbst eine kleine Berichtigung unseres Wissens auf diesem Gebiete freudig begrüßt werden muß. Vor Jahrzehnten hat der russische Baron Ustinow eine Anzahl zumeist in griechischer Sprache abgefaßter jüdischer Grabinschriften in Jaffa gesammelt, die zusammen mit einigen hebräischen bezw. aramäischen von mehreren Forschem veröffentlicht und besprochen wurden. Auch ich besprach sie in meiner palästinensischen Inschriften-Sammlung1 ohne aber die Originale oder selbst einwandfreie Photographien prüfen zu können. Solche stehen uns jetzt in der Veröffentlichung von Jhs. Pedersen: ״Inscription es Semitic ae collectionis Us.tinowianae“, Oslo 1928, zur Verfügung, die nach den in Oslo 1 Jüdisch ־palästinisches Corpus Xnscriptionum (1920), S. 36—51. Monatsschrift, 75• Jahrgang. 24