Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das jüdische Schulwesen in Palästina
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 363 (sequence 2)
- Language
- German
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363 Das künftige Organisationsproblem, daß schon jetzt in ein aktuelles Stadium getreten ist, besteht in der finanziell und moralisch notwendig gewordenen allmählichen Ueberführung des Schulwerks von der Jewish Agency auf den organisierten Jischuw Palästinas. In etwa 5 Jahren dürfte diese Ueberführung vollzogen sein. Die innere Gliederung des zionistischen Schulwerks läßt den etwa 7000 Schüler zählenden orthodoxen Misrachischulen kulturelle Autonomie, sowie Freiheit in der Auswahl und Entlassung von Lehrern, wahrt aber die administrativ-finanzielle Einheit zwischen diesem Schulwerk und dem ״allgemeinen“. Anders steht es mit den nicht zahlreichen Schulen der ״Kulturkommission der Arbeiter- Organisation“, die auch organisatorisch eine besondere Gruppe bilden, allerdings in dem allen Strömungen gemeinsamen ״Erziehungsrat“ (Waad Hachinuch) gleichfalls vertreten sind. Auch hier dürften sich in nächster Zeit mancherlei Aenderungen ergeben. An höheren Schulen gehören nur die (bisher noch) vier Lehrer- bzw. Lehrerinnenseminare dem zionistischen Schuinetz unmittelbar an; die Gymnasien in Tel-Aviv und Jerusalem sowie die Hebräische Realschule in Haifa sind beinahe ganz selbständige Privatschulen. Dasselbe gilt von den 3 im Lande bestehenden Kinderdörfern. 2. Schultypen, Lehrpläne, Methoden. Um die im ersten Abschnitt nur in ihrem organisatorischen Zusammenhang genannten Schultypen Palästinas tiefer verstehen zu lernen, bedarf es eines kurzen historischen Rückblickes auf die Entstehung weltlicher jüdischer Schulen im Heiligen Lande. Bekanntlich war Erez Israel das Land des frommen Lernens kat exochen, was zu einer besonders ausgeprägten Abneigung gegen das Einströmen moderner Bildungselemente führte. Die palästinensische Haskalah, deren Geschichte noch nicht geschrieben worden ist und die sich um Namen wie L u n c z, Frumkin, in gewissem Sinne auch P i n e s und L e w a n o n sammelte, hatte, obwohl weit später auftretend und weit konservativer gerichtet als ihre osteuropäischen Schwesterbewegungen, einen noch unvergleichlich härteren Stand gegen die starre Orthodoxie. Damit hängt zusammen, daß die erste moderne Schule Palästinas, die von dem Dichter, Arzt und Reisenden Ludwig August Frankl i. J. 1855 im Aufträge der Familie Edler von Laemmel aus Wien gegründete ״Laemmelschule“ zu Jerusalem, dem Banne des aschkenasischen Rabbinats verfiel. Dieser Bann, dem sich übrigens die sephardischen Rabbiner niemals angeschlossen haben und der auch nicht für Mädchenschulen gilt, was noch heute zu mannigfachen praktischen Konsequenzen führt, ist bald auf alle ähnlichen Anstalten ausgedehnt sowie von vornherein als unaufhebbar eingerichtet und in der Tat bisher nicht aufgehoben worden1. Er verlangsamt auch noch in dieser Generation das Einströmen von Knaben aus dem ״alten Jischuw“ — bei Mädchen 1 Eine genauere, quellenmäßig begründete Darstellung dieser Vorgänge findet man in der Abhandlung von J. J. R i w 1 i n, ,,בית הספר הראשון בירושלים“ im ספר היובל של הסתדרות המודים בא״יי ירושלם, שנת תרפ״טי עו 197 וכר. Vgl. auch den darauf folgenden Beitrag von J. E n g e 1: ,בית הספד שבארץ בספרות הרבנית עו 212 וכר.