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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 5 · p. Seite 348

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 5
Article
Vulliauds Übersetzung des Sifra Di-Zeniutha aus dem Sohar und andere neuere Literatur zur Geschichte der Kabbala [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 348 (sequence 2)
Language
German
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348 Es mag also wohl angemessen sein, einmal eine der Neuerscheinungen auf diesem Gebiet genauer zu betrachten und die Feststellung zu versuchen, welchen Gewinn die Kabbalaforschung von diesen sich jenseits der ,,offiziellen" Grenzen abspielenden Bemühungen eigentlieh hat. Wenn ich hier nun ein vor Jahresfrist erschienenes Buch von Paul V u 11 i a u d1 als Gegenstand einer genaueren und exemplarischen Betrachtung wähle, so geschieht das, weil hier der Anspruch auf quellenmäßige und philologisch-historischen Maßstäben entsprechende Behandlung eines zweifellos wichtigen und schwierigen Themas erhoben ist. Hier haben wir doch endlich ein Buch, dessen Autor behauptet, die Sprache seiner Texte zu verstehen, während andere Autoren in dieser Hinsicht von vornherein resigniert haben: Arthur Edgar Waite etwa, der jüngst über die ״heilige Kabbala" ein umfangreiches Buch veröffentlicht hat, das durch seine auf die Erfassung der Sache gerichtete Intuition ebenso interessant wie es leider als historisch-religionsgeschichtliche Information in sehr weitem Umfange wertlos ist, nimmt keine Kenntnis des Hebräischen oder Aramäischen in Anspruch, sondern begnügt sich mit dem, was er aus Uebersetzungen und anderen älteren Quellen an leider nur allzu unzuverlässiger Information schöpfen konnte. Vulliaud hat 1923 ein umfangreiches Buch La Kabbale juive veröffentlicht, dessen äußerst armseliger, zugleich aber auf eine geradezu bombastische Weise vorgetragener Inhalt bei keinem kritischen Leser den Eindruck erwecken konnte, daß von diesem Autor neue sachliche Aufschlüsse zu erwarten wären2. Vor allem schien jenes in erster Linie durch einen erbitterten und hochfahrenden Geist der Polemik ausgezeichnete Werk seine Quellenkenntnis keineswegs aus den Originalen zu haben: Texte, die nicht in Uebersetzungen vorliegen, d. h. also 99 Prozent der kabbalistischen Literatur, existierten für jene Darstellung ebensowenig als für die von Waite3. Wenn nun aber in dem neuen Buch eine auf das Original gegründete Ueber- Setzung und Interpretation einiger der schwierigsten Seiten des Sohar vor uns hintritt, so überrascht uns das angenehm und lockt zu ernsterem Eindringen. Und da Vulliaud mit Nachdruck das hohe Alter des von ihm übersetzten Textes behauptet, was, wenn es richtig wäre, große Bedeutung für die jüdische Religionsgeschichte hätte, so möchte ich auch diese Behauptung in meine kritischen Betrachtungen einbeziehen. 1 Paul Vulliaud: Traduction integrale du Siphra Di-Tzeniutha le livre secret, ouvrage essentid du Sepher ha-Zohar; comprenant deux versions: l’une litterale, Pautre paraphrasee, avec notes critiques et commentaires initiatiques; augment^e d’une pr^face contenant l’historique de la traduction frangaise du Zohar par Jean de Pauly, avec une appreciation motivee sur Pesprit de ladite traduction; et de nouvelles considörations sur l’antiquit^ du Zohar. (= Les Textes iondamentaux de la Kabbale I). Paris 1930. 213 S. 2 A. E. W ai te: The Holy Kabbalah. A study of the Secret Tradition in Israel as unfolded by Sons of the Doctrine for the Benefit änd Gonsolation of the Elect dispersed through the Lands and Ages of the Greater Exile. London, Williams and Norgate, 1929. XXV, 635 S. 3 Ich habe meine Meinung über dies Buch seinerzeit in der Orientalistischen Literaturzeitung 1925, Sp. 494—95, ausgesprochen.

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