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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 5 · p. Seite 329

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 5
Article
Neue Literatur über Paulus und das Urchristentum [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 329 (sequence 2)
Language
German
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329 An erster Stelle ist zu nennen: Albert Schweitzer, Die Mystik des Apostels Paulus (Tübingen 1930 bei J. C. B. Mohr. Preis 16.— RM., in Ganzleinen 19.— RM., XVI, 407 S., Gr. 8°). Das Buch ist die Bekrönung der wissenschaftlichen Lebensarbeit eines Mannes, der als Theologe, Orgelspieler, Musikhistoriker, Arzt, Missionar und Kulturphilosoph gleich Hervorragendes geleistet und mit seinem religiös-sozialen Liebeswerk im innersten Afrika eine der reinsten aber auch problematischsten Verwirklichungen christlicher Ethik versucht hat. Die Theologie verdankt ihm die einzigartige ,,Geschichte der Leben-Jesu-Forschung" (1. Auflage, Straßburg 1906). Bereits nach Vollendung jenes Werkes entwarf Schweitzer den Plan zu diesem neuen Buch. 1911 ließ er als Vorarbeit die ,,Geschichte der paulinischen Forschung" erscheinen, die durch eine Auseinandersetzung mit der gesamten früheren Forschung den Weg zu Eigenem freilegte. Durch den Aufenthalt in Afrika hat sich der Abschluß fast 25 Jahre hinausgezögert. Das streng gelehrte Werk stellt zugleich eine glänzende literarische Leistung dar und rechtfertigt von neuem die im Jahre 1924 erfolgte Verleihung des Goethepreises der Stadt Frankfurt an den Verfasser. Es ist gut gedruckt und ausgestattet. Schweitzer hatte in seinen früheren Werken Leben und Lehre Jesu als allein aus seiner Eschatologie verständlich dargestellt. Nun sucht er auch für Paulus Theologie den Schlüssel des Verstandnisses in der gleichen Richtung. Die gedankliche Entwicklung des Christentums führt von Jesus zur kleinasiatischen Theologie des 2. Jahrhunderts, d. h. von der fiebrigen Endzeiterwartung jüdischer Schwärmer zu einem logisch durchgearbeiteten hellenistischen Gedankensystem. Wie war das möglich? Bisher nahm man an (Reitzenstein, Bousset, Deissmann), daß Paulus als Jude aus der hellenistischen Diaspora die hellenistischen Elemente in das Ur- Christentum hineingetragen habe. Schweitzer bestreitet das und erklärt: Paulus war nicht der Hellenisator des Christentums, aber er hat ihm in seiner Christusmystik die Form gegeben, in der es hellenisierbar wurde. Zunächst wird diese Mystik in ihrer Eigenart geschildert. Für Paulus erfahre der Christ ein reales Miterleben des Sterbens und Auferstehens Jesus, so sehr es auch der modernen liberal-protestantischen Theologie widerstrebe, diese naturhafte Auffassung des Apostels anzuerkennen. Es bleibe für Paulus bei ,,Christus“mystik und komme nicht zu einer Vergottung des Menschen wie im Hellenismus; auch gebe es dort sinnvolle symbolische Handlungen, während die Sakramente bei Paulus realistisch-nüchterne Vorgänge seien, die ihm nicht weiter deutbar sind. Paulus brennt in der Erwartung einer unmittelbar bevorstehenden Wiederkunft des Erlösers. Seit seinem Kreuzestod hat die Verwandlung ,,dieser" in ,,jene" Welt schon begonnen. Für Jesus stand das Gottesreich bevor. Für Paulus ist es in mystischer Weise schon da. Die Gläubigen sind ״in Christo" schon in einer übernatürlichen Seinsweise. So versucht Paulus das erste Problem des christlichen Glaubens zu lösen, das Auseinanderfallen von Auferstehung und Wiederkunft des Erlösers, das allen Erwartungen der jüdischen Eschatologie und Jesus selbst widersprach. Für Schweitzer ist Paulus der Denker,

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