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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 311

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 311 (sequence 3)
Language
German
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311 Inhalt der jüdischen Ethik, so wichtig ihre Konzeptionen für deren Geltung wurden. Sie setzt vielmehr gerade den Inhalt der Gebote als bekannt voraus, und man würde aus den Propheten allein niemals auch nur annähernd vollständig die ethischen Anforderungen Jhws an den Einzelnen entnehmen können. Diese Anforderungen waren eben von einer ganz anderen Seite her geprägt: durch die levi tische Thor a.“ (Das antike Judentum, S. 250 ff.) Cramer fährt fort: ״Er (Weber) scheint mir damit den Nachweis — wenn auch ungewollt — erbracht zu haben, daß die Religion Israels sich mit den gewählten Mitteln nicht erschöpfend darstellen läßt: Sie ist ihrem letzten Wesen nach nicht Ethik, sondern — ja, Weber muß es immer wieder durch das ganze Buch hindurch selbst sagen — «berith mit Jhwh»“ (S. 7). Hier sind nun vom Standpunkt einer jüdischen Theologie folgende Anmerkungen zu machen. Cramer hat richtig erkannt, daß die Gerechtigkeit, die im Berith geübt wird, nicht gleich zu setzen ist mit der Gerechtigkeit des römischen Juristen. Sie ist nicht autonome Ethik. Es sei gestattet, hier einen Vertreter der dialektischen Theologie, die überhaupt bei dem Cramerschen Buche deutlich durchblickt, zu Wort kommen zu lassen: ״Es ist dir gesagt, o Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert. Der Prophet, der dies ausspricht, denkt dabei nicht, wie so viele moderne Ausleger, an das immanente Sittengesetz. Von ihm macht die Schrift nie konstitutiven, sondern immer nur kritischen Gebrauch“1. Es ergibt sich damit ein von Cramer nicht genügend berücksichtigter Unterschied zwischen prophetischer Eschatologie und der des Paulus. Die Eschatologie des Paulus entwertet die Geschichte (die Welt des imperium Romanum), deren Ordnung, weil von der bekämpften Form der autonomen Ethik gelenkt, selbst bekämpft wird. Eine solche autonome Ethik haben die Propheten nicht gekannt2. Die Gerechtigkeit, die die Ordnung des Bundes bestimmt, ist nicht individuelles Sittengesetz, sondern Gesetz Gottes. Von der prophetischen Eschatologie aus gesehen ist deshalb der Gang des geschiehtliehen Lebens nicht wertloses Zwischenspiel. Das geschichtliche Leben hat den Eigenwert, Schauplatz des eschatologischen Ereignisses zu sein. Die Geschichte selbst hat eschatologischen Rhythmus. Das läßt sich von den Propheten, nicht aber von Paulus sagen. Frankfurt (Oder). I. Maybaum. Jüdische Kult־ und Kunstdenkmäler in den Rheinlanden3. Ausstellungen jüdischer Kultgegenstände haben der Forschung wiederholt kräftigen Anstoß gegeben. Man muß zunächst an die Ausstellung ״Das Judentum in der Geschichte Schlesiens“ denken, die 1929 in dem Schlesischen Museum für Kunstgewerbe und Altertümer in Breslau' veranstaltet wurde. Diese Ausstellung war aus dem Wunsche entstanden, eine dauernde Stätte für jüdisches Kunstgut zu schaffen, und wir wissen, wie der Sammelgedanke 1928 in der Gründung des Breslauer Museumsvereins Form fand, dem organisatorisch auf dem Gebiete des jüdischen Museumswesens schon recht wertvolles zu verdanken ist. Die wissenschaftliche Auswertung liegt im Katalog der Breslauer Aus- Stellung vor, den der ausgezeichnete Kenner des Metallgeräts Prof. Erwin Hintze, der Direktor des Breslauer Schloßmuseums bearbeitet hat. Es ist das ein sehr ausführlicher illustrierter catalogue raisonne, der leider oder glücklicherweise schon vergriffen ist und es verdient, in zweiter größerer Auflage zu erscheinen, um breiteren interessierten Kreisen« zugeführt werden zu können. Die viel früher, schon 1925 stattgefundene Ausstellung in Köln, die Dr. Adolf Kober und Frl. Dr. Elisabeth Moses im Rahmen der Jahrtausendausstellung der Rheinlande einrichteten, hat erst in der soeben erschienenen 1 Emil Brunner: Gott und Mensch, Mohr, Tübingen 1930, S. 39. 2 Auch Julius Guttmann referiert Weber folgendermaßen: ״Die Ethik selbst empfängt bei den Propheten eine neue Gestalt, nicht durch inhaltliche Umformung ihrer Vorschriften, sondern durch ihre Begründung in einer zentralen religiösen Gesinnung besonderer Art.“ (MGWJ, 69. Jahrg., S. 218.) 3 Vgl. die Besprechung des geschichtlichen Teils S. 234 ff.

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