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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 306

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 4
Article
Das jüdische Schulwesen in Polen
Date
1931-01-01
Page
Seite 306 (sequence 15)
Language
German
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306 in den verschiedenen Fällen eine verschiedene sein. Auch darin offenbart sich eben ihr besonderer Charakter. Es darf freilich auch das andere Moment nicht außer acht gelassen werden, das in der Entwicklung dieser Bewegung ununterbrochen und stark, in vielen Fällen geradezu entscheidend gewirkt hat: der Drang zur Bildung. Die polnischen Juden sind eben trotz aller Widerwärtigkeiten wirtschaftlicher und politischer Natur, unter denen sie oft geradezu ersticken, doch bis zum heutigen Tage das typische Volk des Buches geblieben, das den Analphabetismus viel mehr verabscheut als alle anderen Völker im Lande, und zur Bildung strebt, ohne in sehr vielen Fällen sich dabei durch irgendwelche praktischen Motive leiten zu lassen. Wie unnormal und wie verzerrt auch in manchen Fällen dieses Streben sein mag, das die Kompliziertheit des jüdischen Lebens geradezu vervielfacht, es kommt doch darin das tiefe Geisteswesen des Volkes zum Ausdruck, das im Kampf mit den Wirtschaftsgesetzen um die Erhaltung (in den allermeisten Fällen natürlich in einer mehr oder weniger ausgesprochenen modernen Umgestaltung) der überlieferten Formen des jüdischen Strebens nach einem Kulturmenschentum im höchsten Sinne des Wortes ringt. In diesen zwei entscheidenden Merkmalen: der Rolle des jüdischen Schulwesens im Gleichberechtigungskampf des polnischen Judentums und seiner Bedeutung als einer der wichtigsten Verkörperungen des jüdischen Strebens nach der höchsten Geistigkeit, liegt auch die sicherste Gewähr einer weiteren Entwicklung. Trotz der politischen, materiellen und in vielen Fällen auch organisatorischen Martyrologie, trotz der unfreundlichen, im besten Falle gleichgültigen Stellung seitens der staatlichen Behörden, trotz der ziemlich unnormalen Zersplitterung, die einen Typus der jüdischen Schule durch den anderen bekämpfen läßt und viel zweck- und sinnlose Kraft- und Energievergeudung zur Folge hat, wird sich dieses Schulwesen den Weg in eine bessere Zukunft bahnen können. Zur Encyclopaedia Judaica. In der Monatsschrift LXXV, 73 beanstandet Frau Wischnitzer-Bernstein meine Angabe, daß das Mazzah- und Maror-Bild zum ersten Mal in einem Mantuadruck von 1557 eingeführt wurde, und verweist auf die Prager Haggadah von 1527 und Machsor Romi Soncino 1485. Ich meinte natürlich bloß diejenige Darstellung von Mazzah und Maror, die dann traditionell wurde und ,,in allen Haggadoth wie auch Siddurim des italienischen Ritus“ bis auf den heutigen Tag anzutreffen ist. Rez. fügt noch hinzu: ״Diese Bilder (wohl die von Soncino 1485, Prag 1527 und Mantua 1557?)“ sind den hs. Haggaden entnommen, wo sie .... eine ziemlich gleiche Fassung haben“. Ueber die Dar- Stellung in der Prager Haggadah kann ich mich nicht äußern, weil diese mir nicht zugänglich ist; was aber das Mazzahbild von Soncino 1485 betrifft, kann ich die gleiche Fassung mit Mantua 1557 in keiner Hinsicht wahrnehmen, es sei denn, es genüge die gemeinsame runde Linie, um sie der gleichen Fassung einzuordnen. Genau gesprochen, kann das Bild von Soncino nur im uneigentlichen Sinne Mazzahbild genannt werden. In Wahrheit haben wir es mit einem runden Zierrahmen zu tun, in dessen Mitte das Wort ״Mazzah“ in den wohlbekannten Zierlettern der Soncino vorkommt. Dagegen gibt Mantua 1557 ein ganz realistisches Bild der Mazzah in ihrer ganzen Fläche. Daß bei einer realistischen Wiedergabe ״ungeachtet der Provenienz“ die ״gleiche Fassung“ eingekeilten werden konnte, scheint min zumindest unwahrscheinlich. I. Sonne.

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