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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 293

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 4
Article
Das jüdische Schulwesen in Polen
Date
1931-01-01
Page
Seite 293 (sequence 2)
Language
German
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293 die bedeutendste Errungenschaft dar. Es zeichnet sich nicht bloß durch seinen Umfang aus, obzwar kein einziges jüdisches Gemeinwesen der Welt bis zum heutigen Tage eine solch imponierende Zahl von Erziehungsinstitutionen ins Leben zu rufen vermochte. Viel mehr kommt seine Eigenart in Betracht, die es aus dem Rahmen des allgemeinen Schulwesens in Polen heraushebt und gewissermaßen in einen geistigen Gegensatz stellt nicht nur zu den rein polnischen Schulen, sondern auch zum Schulwesen der anderen nationalen Minoritäten im Lande. In der Entwicklung der jüdischen Schulen in Polen in allen ihren Kategorien spiegelt sich ziemlich getreu das komplizierte Problem des jüdischen wirtschaftlichen und geistigen Lebens im Lande wider, und es tauchen daher fast ununterbrochen Fragen auf, die viel mehr mit Wirtschaft und Politik (manchmal auch mit Soziologie) als mit der eigentlichen Pädagogik zu tun haben. Die Entstehung des jüdischen Schulwesens in Polen geht auf zwei Hauptursachen zurück, deren Auswirkung bis zum heutigen Tage auf Schritt und Tritt fühlbar wird: auf die mehr oder weniger krasse Verletzung der Interessen der jüdischen Bevölkerung, zumal auf dem Gebiet des Schulwesens, durch die staatlichen und städtischen Behörden und auf den Prozeß der inneren Organisierung und Politisierung, der im polnischen Judentum im Verlauf der letzten Jahre vor sich gegangen ist und das Interesse der Bevölkerung auf das Gebiet der Erziehung der jungen jüdischen Generation für eine ganz bestimmte Weltanschauung und Einstellung gelenkt hat. Ein paar Worte zur Erklärung der beiden Ursachen. Die Juden sind heute in Polen die einzige nationale Minderheit, deren Kultur- und Erziehungsbedürfnisse durch die Regierung fast gar nicht berücksichtigt werden. Es gibt heute in Polen besondere staatliche Volksschulen für Ukrainer, Weißrussen, Deutsche, Litauer, Tschechen, ja sogar Russen, wo als Unterrichtssprache die Sprache der betreffenden Minderheit gilt; dagegen ist bis zum heutigen Tage keine einzige Volksschule mit hebräischer oder jiddischer Sprache durch die Regierung begründet worden. So ist denn die jüdische Jugend, soweit sie staatliche Volksschulen besucht (von 350 000 jüdischen Kindern, die staatlich anerkannte Volksschulen besuchen, sind es 250 000) gezwungen, sich in der ihr zumeist mehr oder weniger fremden polnischen Sprache unterrichten zu lassen. Das einzige, was die Regierung bisher auf diesem Gebiete getan hat, war die Umwandlung einer Anzahl staatlicher Volksschulen in spezielle Erziehungsinstitutionen für jüdische Kinder, wo am Samstag und jüdischen Festtagen gefeiert wird. In den Lehrplan dieser Schulen ist außerdem der Unterricht des sog. ,,mosaischen Glaubens“ im Ausmaß von zwei Stunden wöchentlich eingeführt worden, der in den allermeisten Fällen durch ungeeignete Kräfte erteilt wird und mehr Schaden als Nutzen bringt, da er nicht selten das Ansehen der eigenen Religion in den Augen der Schüler herabsetzt. Die überwiegende Mehrheit von Lehrern in diesen ״jüdischen“ Volksschulen bilden Nichtjuden (unter 5000 Lehrern arbeiten dort 1900 jüdische Lehrkräfte), deren Zahl ununterbrochen und systematisch vergrößert wird. Uebrigens werden letztens viele derartige Schulen

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