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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 288

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 4
Article
Die Ossuarien in Palästina
Date
1931-01-01
Page
Seite 288 (sequence 3)
Language
German
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288 wertvollen Exemplare nicht systematisch gesammelt wurden. Viele gerieten in Privathände, anfangs in Jerusalem (s. Revue arch. 1873, BcL 25, S. 406), verloren sich aber dann in unkontrollierbare Fernen. Bald fand der französische Gelehrte de Saulcy in der Erörterung um die merkwürdigen Funde das Richtige: die Kästen waren keine Urnen, sondern hatten in der Tat dazu gedient, Totengebeine aufzubewahren. Eine Zeitlang schwankte er noch, ob es nicht Behälter für Schmucksachen gewesen sein konnten. Die Aehnlichkeit mit altchristlichen Reliquienschreinen veranlaßte es, an solche Möglichkeit zu denken. Nachdem er die richtige Entscheidung getroffen, verfiel Herr de Saulcy nun freilich noch in einen anderen Fehler: Da fanden sich außer einwandfreien aramäischen und griechischen Namen auf einem Kasten unverstandene Buchstaben. Es drängte sich ihm ein naheliegender Irrtum auf. Da er an der zeitlichen Datierung der noch rätselhaften Funde großes Interesse hatte, so las er naturgemäß Zahlenwerte in die Buchstaben hinein. Wie er im Bulletin arch. du Musee Parent (Paris 1867) I S. .24 im Artikel ,,Caisses funeraires ou ossuaires judaiques“ berichtet, deutete er die Buchstaben so: בד׳ דאדל ITÖ Tan 48 le 4 de Adar. Dem trat Ern es t Renan scharf entgegen. Er las מחפי יאיר, f ür das eigentümliche Jod mit dreieckigem Kopf sich auf die aramäische Inschrift einer Weihvase des Serap'istempels von Memphis berufend und einer jüdischen Inschrift von Jerusalem, die de Saulcy selbst in seiner Voyage en Terre Sainte II 12 veröffentlicht hatte. Dem מחפי solle das alte חפה, aram. חפוי. ,חופאה, das moderne חפ״ ,,bedecken, einschließen'‘ als Subst. entsprechen; also 9 מחפיHKH Grab (Jairi). Oder als Part. מחפי continens (Jairum). Siehe Journal Asiatique, 6. Ser., Paris 1868, Bd. XI, S. 539—40. Ob Zahlen auf Ossuarinschriften überhaupt verwandt worden sind, darüber ist noch einmal eine Kontroverse entstanden in bezug, auf eine Anzahl von Ossuarien, die 1910 in einem Felsengrab am Ostabhange des Oelbergs gefunden wurden.. Zwei Deckel zeigen auf der Innenseite Personen Verzeichnisse mit Z a h 1 angaben leicht eingeritzt; wahrscheinlich Zahlungslisten des Unternehmers für seine Arbeiter. Dazu vgl.: Revue biblique XXXII (1923), S. 257 ff.; Syria IV (1923), S. 241 ff.; Nachr. d. Göttinger Gesellsch. d. Wiss. Philolog.-histor. Klasse aus dem Jahre 1923, S. 104—105. Die bilinguen Inschriften, aramäisch-griechisch, auf immer neu entdeckten Kästen öfters erscheinend, wiesen deutlich auf die hellenistische Z,e i t. Damals muß im hlg. Lande der Brauch einer doppelten Bestattung üblich gewesen sein: Man sammelte die Gebeine verwester Leichname in diesen Kästen, um für andere Leichen Platz zu bekommen. Die Geschichte der Entdeckung der Ossuarien zeigt also, wie schwer es war, diesen eigen 11 i che 11 Verwendungszweck herauszufinden. Jahrzehntelang haben allerdings manche

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