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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 273

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 4
Article
Von der Holbeinbibel zur Amsterdamer Haggadah
Date
1931-01-01
Page
Seite 273 (sequence 9)
Language
German
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273 zu. Daß er mit den Weisen in Bne Brak beginnt, ist auffallend, denn gewöhnlich stehen die Vorbereitungen zum Fest, das Wegräumen des Ghomez, das Säubern der Gefäße und das Backen der Mazzot an der Spitze der Illustration. Unumgänglich scheint die Schilderung des. Hausvaters zu sein, wie er die verschiedentlichen Segenssprüche sagt, und vor allem die Darstellung des Pessachmahles der Familie. Von all dem enthält die Haggadah gar nichts. Aber auch die Szene in Bne Brak hat nicht die: übliche Fassung. Keine Jünger überraschen die alten Weisen, die sich die Nacht hindurch vom Auszug aus Aegypten erzählt haben, mit der Mitteilung, daß es schon Zeit sei, das Morgengebet zu sprechen. Was man sieht, ist eine Festtafel, eine zahlreiche Männergesellschaft, die von Wein einschenkenden und Gerichte auftragenden Dienern eifrig bedient wird. Ohne den erläuternden Titel wäre das Bild nicht zu verstehen. Die vier Söhne auf fol. 5 recto sind in der überlieferten Weise charakterisiert, der eine als der kluge —in der Tracht des Gelehrten —, der andere als der böswillige, wie stets in Gestalt eines Kriegers, die zwei letzten, wie auch sonst, weniger prägnant: als... tölpelhafter bzw. einfältiger Mensch. Neu ist, daß die vier Charaktere nicht einzeln, sondern auf einem Bild vorgeführt werden. Die vier Figuren stehen, jede in der ihr eigentümlichen Haltung, ohne Beziehung zueinander, als ob sie aus verschiedenen Kompositionen herausgeschnitten worden wären. Die weiteren Bilder sind Illustrationen zu Begebenheiten aus den biblischen Büchern, sogar das Pessachmahl stellt nicht etwa die Erinnerungsfeier dar, die die jüdische Familie begeht, sondern die Israeliten, wie sie aus Aegypten auszuziehen im Begriffe sind. Gerade diese Szene aber führt uns auf die Spur, die den Charakter des ganzen Illustrationskreises erklärt, denn es ist das nichts anderes als das Passahmahl aus den fünf Büchern Mosis in der Uebersetzung von Luther mit Holzschnitten Hans Holbeins d. J.1 Auch die übrigen Bilder verraten. Verwandtschaft mit den Biberbildern des Holbein, \mdzwar mit seinen Holzschnitten in Historiarum veteris instrumenti icones ad vivum expressae2. Die einen tragen die Zeichen ihrer Abstammung deutlicher, manche weniger erkenntlich. Manchen liegt die Komposition einer gleichnamigen Szene zugrunde, andere benutzen die Vorlagen ganz willkürlich. Die Komposition von Abraham und die drei Engel ist die gleiche, der Untergang der Aegypter hat Vieles gemein mit den ertrinkenden Aegyptern sowie mit der Rotte Korah in den Icones des Holbein, der betende David hat die Haltung des vor Gott knienden Moses, die am Altar opfernden Götzendiener im Bild des Abraham fol. 5 verso sind den Verehrern des goldenen Kalbes in den Icones des Holbein nicht unähnlich, der 1 Das Alte Testament, gedruckt bei Adam Petri 1523. Basel. Mit Holzschnitten des Hans Holbein und des Ürs Graf. Benutzt ist das Exemplar des Kupferstichkabinetts, Berlin. Ich danke an dieser Stelle Herrn Dr. Rosenberg vom Kupferstichkabinett, der mir bei der Feststellung des Holbeinschen Anteiles an der Baseler Ausgabe behilflich war. 2 Gedruckt bei Melchior und Caspar Trechsel, Lyon 1538. Monatsschrift, 75. Jahrgang. 18

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