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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 3 · p. Seite 235

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 235 (sequence 2)
Language
German
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235 Aber auch geistiges Eigenleben erblühte damals in ihrem Kreise, gefördert namentlich in Mainz durch die gelehrten Kalonymiden. Der Schauplatz für die ältere Geschichte der Juden im Rheinland sind vor allem die alten Bischofsstädte am Rhein Köln, Mainz, Speier und Worms, an der Mosel Trier; in der Zeit Karls d. Gr. dürfen wir auch Aachen dazu rechnen. Die mittelrheinischen Gemeinden bildeten seit dem 12. Jahrhundert einen engeren Verband. Die erste Judenverfolgung, über welche wir unterrichtet sind, fällt in die Zeit der Kreuzzüge. Damals ging die Trierer Judengemeinde ganz unter; in Worms wurden 800, in Mainz über 1000 Juden erschlagen. Ein recht unerfreuliches Kapitel in der Leidensgeschichte des deutschen Judentums im Mittelalter bildet der Judenschutz, der von Seiten des Königs als Regal betrachtet und verpfändet und verkauft wurde. Aber die rheinischen ,,Kammerknechte“ entgingen trotzdem nicht der Vernichtung im Jahre des schwarzen Todes 1349, als in Worms über 400, in Mainz über 6000 Juden den Tod fanden. Wo eine jüdische Bevölkerung sich erhalten hatte, suchte König Wenzel durch die Judenschuldtilgungen Geld zu erpressen. Durch Judenschutzbriefe sicherten Kaiser, Kurfürsten und Bischöfe sich hohe Einnahmen, konnten aber nicht die Vertreibung der Juden hindern, welche in Köln 1424, in Speier 1435 und in Mainz 1438 erfolgte. Die Rheingauer neue Landes- Ordnung 159ל ,weigerte den Juden den Aufenthalt, den ihnen nur noch einzelne kleinere Territorien und Städte wie Düsseldorf gewährten. Entscheidend für die soziale Stellung der Juden im späteren Mittelalter ist es gewesen, daß der Warenhandel, an dem sie früher beteiligt gewesen waren, zurückgetreten war hinter dem Geldhandel. Der jüdische Bankier wurde der finanzielle Vertrauensmann des Landesherrn. Auch die Ausübung der Heilkunde war ihnen gestattet. Von besonderem Interesse sind die eingehenden Nachrichten, welche der Verfasser über die Bedeutung des rheinischen Judentums für das geistige Leben zu geben imstande ist, namentlich über die praktisch gerichtete jüdische Mystik. Bezeichnend ist die Stelle S. 35, welche er aus dem ,,Rokeach“ des Eleasar ben Jehuda mitteilt, die von innerlicher Frömmigkeit zeugt, ebenso die Probe der religiösen Dichtung, welche die Leiden der Juden in den Zeiten der Kreuzzüge widerspiegelt. Die jüdischen Bräuche im ausgehenden Mittelalter sind S. 38 ausführlich geschildert. Aus den größeren Städten vertrieben und an den kleineren Orten als notwendiges Uebel betrachtet, treten die rheinischen Juden in die Neuzeit ein. Charakteristisch für ihre Behandlung ist die Feststellung, daß der sogen. Reuchlinsche Streit über die Judenbücher 1509—21 über ihre Köpfe hinweg geführt worden ist. Von großem Interesse sind die seit dem 16. Jahrhundert in den rheinischen Städten und Territorien erlassenen Judenordnungen, die aus Worms, dem Vorort der deutschen Juden, aus Kurmainz, Kurtrier, Kurköln, Jülich-Berg, Kleve und Essen zahlreich überliefert sind und über Lage und Behandlung der jüdischen Bevölkerung lehrreiche x4ufschlüsse geben. Deutlich geht aus diesen Quellen hervor, wie man die Juden als eine wertvolle Einnahmequelle betrachtete und ausschöpfte; namentlich die Geleitsbriefe ergaben für die Obrigkeit nicht unbeträchtliche Steuern. Eine grundlegende Reform des Judenwesens im ganzen preußischen Staate, zu dem damals das alte Herzogtum Kleve gehörte, begann i. J. 1720; ihr folgte das Judenreglement von 1730, das durch seine eingehenden Bestimmungen die ganze preußische Judenschaft in Mitleidenschaft zog. Auch unter Friedrich dem Großen, der 1750 ein Generaljudenreglement erließ, verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Juden, da sie vom platten Lande in die Städte verwiesen und dadurch in ihrer wirtschaftlichen Bewegungsfreiheit stark eingeengt wurden. Im Rheinland war seit dem Mittelalter der 'Geldhandel die Hauptbeschäftigung der Juden und daneben als Handwerk der Metzgerberuf. Seit dem dreißigjährigen Kriege spielen die Hofjuden und Hoffaktoren eine große Rolle an den fürstlichen Höfen; sie sind als die Vorläufer der Emanzipation anzusehen. Unter den Hoffaktoren sind in Jülich-Berg die Geldern, in Kleve die Gomperz bekannt; von letzteren wurde Rüben Elias Gomperz Generalsteuereinnehmer in Kleve-Mark und als erster Jude preußischer Staatsbeamter. An der Spitze der Judenschaft der größeren Territorien standen die Landrabbiner und die Judenvorsteher, während im Mittelalter Judenbischof und Judenrat den Vorstand der einzelnen Gemeinde gebildet hatten. Später

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