Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die jüdische Siedelung in Samaria
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 9)
- Language
- German
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199 Das immerhin befremdliche Wort נבלכתא, auf die Samarit a n e r angewendet, mag auch einen Nebengeschmack haben, denn es klingt an מברבתא an, wie auch Klein vermutet, aber nicht als ,,Karawane“ oder Ortsname zu verwerten, sondern in dem gewöhnliehen Sinne ״die Gesegnete“, denn so wird sich diese samaritanische Landschaft genannt haben, was zu erschließen sein dürfte aus טול בדיך ״gesegneter Berg“, wie die Samaritaner ihren Berg Gerizim genannt hatten1. Eine andere Möglichkeit wäre die folgende: Josephus (BJ IV, 8, 1, § 449) und Plinius (HN V, 69) berichten, die Neapolis sei von Kaiser Vespasian an einem Orte gegründet worden, der von der einheimischen Bevölkerung ״Mabartha“ (Mabortha bzw. Mamortha) genannt wurde. Dieses Wort wird allgemein2 als מצבלא Durchgang, Paß, Sattel gedeutet. Nun wird aber in Toseftha MK I, 9 S. 229 und BB I, 2 S. 398 neben נכרכת als gleichbedeutend בקיע erwähnt; vgl. auch j. MK 80d; letzteres, d. i. ״Spalte“, ״Einschnitt“, deckt sich vorzüglich mit ״Mabartha“; man hat also der samaritanischen Landschaft einen Schimpfnamen gegeben, der die Travestie des einheimischen Namens darstellt. Die Samaritaner mit einem Schimpfworte zu beehren, war bei ihren Feinden, den Juden, gang und gäbe. Die bekannte Stelle in Sirach 5025-26: ,,Gegen zwei Völker empfindet meine Seele Abscheu, und das dritte ist kein Volk: Die da seßhaft sind im Gebirge Seir und die Philister und das törichte Volk, das zu Sichern wohnt3“ besagt das zur Genüge, aber noch drastischer ist die Stelle im ״Testament Levi“ c. 7: ״Von diesem Tage an wird Schechem genannt werden Stadt der Narren (rcofaz douvizatv), und auch die Stelle in Joh 848, wo die Juden zu Jesu sagen: ״Sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist und hast den Teufel“ wird von den Kommentatoren mit Recht so gedeutet, daß ״Samariter“ im Munde der Juden soviel ist wie ״Narr“4. 2. Zur Narbattafrage. Von J. Preß in Jerusalem. Zu der gelehrten Abhandlung des Herrn Prof. Dr. Sam. Klein ״Narbatta und die jüdischen Siedlungen westlich von Samaria“ in MGWJ 74 (1930), Heft 9/10, S. 369 ff. sei mir gestattet, folgendes zu bemerken. Es erscheint gewagt, ev apßazzoit; oder sv apßdxzoec:5, I Makk 523, in eu Napßdzzotz zu korrigieren und darin den Namen Napßaza (so!) 1 J. A. Montgomery, The Samaritans (Philadelphia 1907) S. 235. 2 Montgomery S. 20 (wo aber die Stelle in Josephus falsch angegeben); Guthes Bibelwörterbueh s. v. Sichern; Nieses Anm. zu Josephus z. St. 3 Nach der Uebersetzung bei Kautzsch, Apokryphen u. Pseudepigr. des AT, 1. Aufl., I, 471. So auch ״foolish race“ bei Montgomery S. 155. Der hebr. Text hat allerdings נרי נבל, was nur aus Dt 32al entlehnt zu sein scheint. 4 Montgomery a. O. 5 Vgl. Die Apokryphen und Pseudoepigraphen, Ausgabe E. Kautzsch, S. 47.