Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Protokoll der Mitgliederversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums am 25. Februar 1931 [Nachricht]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 3)
- Language
- German
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156 wurde auch auf das Licht hingewiesen, welches die Entdeckung des Gesetzes von Hamurabi auf die pentateuchische Gesetzgebung geworfen hatte, aber zugleich erwähnt, daß uns jetzt auch andere altorientalische Gesetzbücher vörliegen. Auch die Parallelen zu Psalmen, Sprüchen und anderen Dichtungen wurden kurz gestreift. Zuletzt wies der Vortragende auf die neuen Ausgrabungen in Ras Schamra in Phönizien hin, wo vor kurzem zahlreiche Schrifttafeln in einem neuen keilschriftlichen Alphabet gefunden worden sind, deren Entzifferung zum Teil im letzten Heft der Revue biblique vorliege. Schon heute staunt man über die Fülle neuer Kenntnisse, welche diese Ausgrabungen uns vermitteln: Neue Götter, neue Völker, eine neue Sprache, die vorläufig noch nicht entziffert ist, aber da Syllabare in dieser neuen Sprache und der sumerischen vorliegen, voraussichtlich bald ihre Rätsel mitteilen wird. U. a. liegt ein Epos von 800 Zeilen vor, dessen Entzifferung Großes erwarten läßt, wie überhaupt die Nähe der neuen Funde zu Palästina und die vielfache Berührung mit biblischen Dingen anzunehmen gestattet, daß für die Kenntnis der Bibel eine neue fruchtbare Zeit bevorsteht. Reicher Beifall dankte dem Redner für seine Ausführungen. Der Vorsitzende dankte dem Vortragenden und schloß die Versammlung um 22 Uhr. gez. M. Sobernheim. gez. I. Elbogen. Protokoll der Ausschußsitzung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, Berlin, vom 25. Februar 1931, 22 Uhr, im Logenhaus, Berlin W. 62, Kleiststraße 10. Anwesend: Baeck, Elbogen, J. Freimann, Guttmann, Sobernheim, Weil. Der Ausschuß konstituiert sich. Der Vorstand wird in seiner bisherigen Zusammensetzung einstimmig wiedergewählt. Schluß der Sitzung 22% Uhr. gez. M. Sobernheim. gez. I. Elbogen. Geschäftsbericht über das Jahr 1930. Ueber das Jahr 1930 sind nur wenige, aber folgenschwere Einzelheiten zu berichten. Am 5. August 1930 ist das Mitglied unseres Ausschusses, Herr Professor Dr. Eduard B a n e t h, verstorben. Er hatte bereits in der vorbereitenden Versammlung Ende Oktober 1902 ein Referat, das zur Gründung der Gesellschaft beitrug, gehalten, ist schon damals in den Ausschuß gewählt worden, und bis zu seinem Hinscheiden dessen treues Mitglied geblieben. Er gehörte der Kommission zur Vorbereitung des Corpus Tannaiticum an, übernahm selbst die Bearbeitung der Mischna; seiner persönlichen Arbeit und der unter seiner Leitung stehenden Mitarbeiter verdanken wir das reichliche kritische Material zur Mischna, das zur späteren Verwendung in unserm Archiv liegt. Seit mehreren Jahren ist Professor Baneth auch ein eifriger Mitarbeiter unserer Monatsschrift gewesen. In den letzten Wochen haben wir weitere schwere Verluste erlitten. So starb am 13. Februar Hofrat Professor Dr. Adolf Schwarz in Wien im hohen Alter von 85 Jahren; auch er war, wie Baneth, seit Gründung der Gesellschaft Mitglied des Ausschusses, auch er Vertreter des Talmudfaches und an den Arbeiten der Gesellschaft lebhaft interessiert. Ein sehr treuer Mitarbeiter der Monatsschrift, hat er bis in sein hohes Alter hinein regelmäßig Beiträge für sie zur Verfügung gestellt. Ein plötzlicher Tod raffte Professor Dr. Joseph H 0 r o v i t z, den Semitisten der Universität in Frankfurt a. M., im frühen Alter von 5ל Jahren hin. Ein hervorragender Gelehrter, dessen Hauptinteressen abseits unserer Arbeiten lagen, hatte er doch an unseren Arbeiten engen Anteil. Insbesondere hat er auch viel für die Monatsschrift geschrieben und häufig auf Arbeiten in seinem Spezialfach hingewiesen. Vor kurzem verschied auch Herr Verlagsbuchhändler Leon Gold- Schmidt in Hamburg, der einige Jahre Mitglied unseres Ausschusses war