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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 2 · p. Seite 148

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 148 (sequence 3)
Language
German
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148 er sich täglich scheren mußte. Ueber die Bedeutung des אמרכל finden wir auf S. 23 eine neue wahrscheinliche Auseinandersetzung. S. 60,11: es ist leider eine häufige Erscheinung, daß Josephus durch Anwendung griechischer Termini, die er um seiner Leser willen gern benutzt, eine wahre Vorstellung erweckt. Die Fortsetzungen dieser Arbeit wird man gern erwarten, wer die neutestamentliche Zeitgeschichte studieren will, wird an dieser Arbeit nicht mehr vorüberge.hen können. Kiel. A. Posner. Dr. I. Münz: Jüdisches Leben im Mittelalter. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte der deutschen Juden. Mit Illustrationen. 1930. Verlag M. W. Kaufmann, Leipzig (Text 95 S.). Der Verfasser ist ein erprobter Ackersmann auf den Gefilden jüdischer Literatur. Vorliegendes Werk ist aber nicht nur belehrend, sondern in hohem Grade fesselnd. Es schreitet nicht auf hohem Kothurn, sondern bewegt sich inmitten des pulsierenden und bunten Volkslebens, in zwölf Kapiteln kommen zu lebendiger Darstellung Familienleben, Sabbat und Festtage, Erziehung und Studium, Mädchen und Frauen, Eheschließung und Hochzeitsfeiern, Luxus und Spiel, Handel und Handwerk, Heilkunde, Wohltätigkeit und Menschenliebe, Frömmigkeit und Opfermut, Friedhöfe und Grabsteine sowie Ethik. Die echt volkstümlich gehaltene Schilderung der Dinge wird durch vorzügliches Bildwerk aufs eindrucksvollste und nachdrücklichste unterstützt. Die Historicität der Ereignisse findet in genauer Quellenangabe ihre Bewahrheitung. Mit Recht gilt dem Autor das Mittelalter mit dem Jahre 1492 noch lange nicht als beendet. Dem Juden gegenüber reichte es bis tief ins achtzehnte Jahrhundert, per Rezensent vermochte das interessante Buch nicht eher fortzulegen, als bis er es zu Ende gelesen hatte. Hoffentlich wird die Lektüre der Schrift besonders unsere jugendlichen Leser mit demselben Banne und gleichem Zauber gefangen nehmen. Auf Seite 20 1. Nigun statt Niggin, Seite 27 Meister Hildebrand statt Meister von Hildebrand. Die Frage nach der mittelalterlichen Frühzeit der Chewra Kadischa (S. 59) ist noch ungeklärt1. Die Ausstattung des Buches verdient gleichfalls alles Lob. Louis Lewin. Boris Segalowitsch: Benjamin Disraelis Orientalismus. Verlag Kedem, Berlin 1930. VII, 139 S. Die Gestalt Benjamins Disraelis gewinnt neuerdings wieder stark an Interesse. Ueber den Kreis der nur wissenschaftlich Interessierten hatte vor allem Andre Maurois’ große Biographie einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Es wird immer ein Problem bleiben, wie der Staatsmann jüdischer Abstammung, der in seinem ganzen Wesen durchaus etwas Orientalisches verkörperte, der Führer gerade der hochkonservativen Partei Englands werden konnte, ja, wie er darüber hinaus, zum besonderen Freund der englischen Königin Viktoria heraufstieg und an ihrer Seite der Schöpfer des englischen Weltreiches wurde. Mit der vorliegenden Untersuchung hat sich der Verf. nur eine engere Aufgabe gestellt. Er untersucht zunächst einleitend den Begriff ,,Orientalismus6c und kommt dabei zu dem Resultat, daß die landläufige Annahme, Disraelis Orientalismus sei auf seine unbestreitbar romantische Naturveranlagung zurückzuführen, nicht befriedigen könne. Sein Orientalismus liegt tiefer in seinem Wesen begründet. Im ersten Hauptteil behandelt S. sodann Disraeli als ״Asian Mystery“. Er stellt Urteile englischer Zeitgenossen über Disraeli zusammen, aus denen hervorgeht, daß man allgemein stark eben diese orientalische Einstellung empfunden hat. 1 Vgl. Fürst, Literaturbl. des Orients, Leipzig 1850, S. 95 f., Lewin, Gesch. d. isr. Kranken-Verpfl.-Anst. u. Beerd.-Ges. zu Breslau 1726—1926 (Bresl. 1926), S. 11 f., 119, Steinschneider, Hebr. Bibliogr. (המזכיר) XIX 8, Kaufmannj Samson Wertheimer, Wien 1888, S. 74 Anm., 100, Zeitschrift f. d. Gesch. d. J. in der Gzechoslowakei I 22, Wiener, Bibliotheca Friedlandiana, Petersb. 1893 ff., Nr. 2355 A, Soncino-Blätter, Berlin 1925, I 217.

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