Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 2)
- Language
- German
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147 2. der Fund der sogenannten Damaskusschrift lehrt, daß der dort genannte ״mebhaqqer“ das ,,Vorbild des christlichen Episkopates“ gewesen ist (S. 33 bis 40 bzw. 131 bis 133). In den Kapiteln über die Priester finden wir eine sehr eindringliche Benutzung des gesetzlichen Materials und eine zuverlässige Heranziehung des historischen Stoffes vor. Es zeigt sich, welch gewaltigen Einfluß die Priester auf die politische Entwicklung hatten, wie sie, der Kultadel des Volkes, die Ursache innerer und äußerer Kämpfe boten; man versteht vielleicht von hier aus erst vollkommen, was die illegitime Priesterschaft, die durch Herodes z. B. und sonst sich vordrängte, für die Entwicklung des jüdischen Staatswesens zur Folge hatte, wie das Volk doch an der Tradition festhielt — ähnlich in der Praxis bei Sadduzäern und Pharisäern — und seinen Haß gegen die illegitimen Priester nicht unterdrückte. Die Berechnung der Gesamtzahl der Priester — der Verfasser kommt auf die Zahl 7200 — der der Leviten und Priester in jeder Wochenabteilung gehört ebenfalls zu den beachtenswerten Forschungen dieses Buches. Auch über die Frage der Erblichkeit der Priesterwürde und der Priesterehen bringt der Zusammenhang Gutes und Neues. In dem Abschnitt ,,der Laienadel“ geht der Verfasser von der Besetzung des Synhedriums aus und kommt zu dem Ergebnis, daß die Vertreter des Laienadels eine Gruppe im Synhedrium bilden und daß sie unter die ״Aeltesten“ fallen. Zur Erhärtung dient nicht mit Unrecht die Mischna Taanith 4,5. Man wird auch darin dem Verfasser beipflichten, daß er in den, ,,Schriftgelehrten“ einen besonderen Stand sieht, dessen Macht das Wissen war, so daß ihr sonstiges Berufsleben — waren sie doch häufig Handwerker — dabei nicht in Betracht gezogen wird. Daher auch ihr Einfluß auf die geschichtlichen Ereignisse der Zeit, z. B. R. Zadok darf die Priester ermahnen, R. Simon b. Gamliel steht mit an der Spitze des Aufstandes, des Auftaktes zum jüdischen Krieg. Den Pharisäern gilt die letzte Abhandlung. Hier wird — wie bereits angedeutet — mit Nachdruck davon gesprochen, daß selbst die Sadduzäer in der Praxis den Kult nach der Anschauung der Pharisäer geübt wissen wollten, weil das Volk solches erwartete. Mit vielem Material untersucht der Verfasser die Angehörigen der Pharisäerpartei und ist der Ansicht, daß sie eine chabura — eine geschlossene Gesellschaft — gebildet haben. Er wird in seiner Annahme durch die oben genannte Damaskusschrift und die Arbeiten Ginzbergs hierüber bestärkt. Es will mir zu modern klingen, in Sadduzäern, Pharisäern und Essenern nicht allein Sekten, sondern geschlossene Gruppen zu sehen, das war bei den Essenern der Fall,' bei denen Aufnahme- und Verbleibbedingungen vorhanden waren. Den anderen Parteien konnte man sich doch wohl ohne Probezeit und ohne Bindung anschließen. Der geschlossene Kreis mag unwillkürlich entstanden sein, aber beabsichtigt war er wohl nicht. Bedauerlich ist es, festzustellen, daß Arbeiten von Juden nicht genügend berücksichtigt sind. Ueber den Segan ist die gründliche Arbeit von A. Schwarz, der Segan (MGWJ, 64, 1920) S. 30 ff. nachzusehen, über die Vornehmen Jerusalems und ähnliche Formeln gibt es eine kleine Arbeit von S. Klein אנשי ירושלים aus dem Sammelband מדעי היהדות, Jerusalem 5686, über die Begriffe talmid, talmid chacham u. ä. s. Goldberg in MGWJ 68 (1924), S. 211 ff., über חבר עיר sind die neuesten Abhandlungen von Krauss und Horovitz (Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft XVII, 1926) nicht eingesehen. S. 11,7 ist Lev 21!4b zu beachten. S. 23,4 muß es 1885 heißen, so richtig auf S. 29,4. S. 29,3 die Krankheiten der Priester erklären sich nicht allein aus dem vielen Fleischgenuß, sondern auch daraus, daß sie barfuß auf den kalten Fliesen des Heiligtums gehen mußten. S. 29,11 da wir הונרם lesen, ist die Deutung00<?ן0י<; nicht wahrscheinlich. S. 45,4 überdas Verhältnis von Josephus’ Krieg zu seinen Altertümern ist eine richtige Bemerkung gemacht; aber daß der Krieg auf Nikolaos von Damaskus zurückgeht, ist mit Vorsicht zu behaupten. S. 115 sehr eigenartig ist das Urteil über Herfords Pharisäer (,,völlig verfehlt“) sicherlich zu hart, selbst zugegeben, daß die Scheidung zwischen Gelehrten und Pharisäern bei ihm nicht genügend durchgeführt ist. Dabei ist es gut zu lesen, was S. 123 über die Formel des NT. ,,die Schriftgelehrten und Pharisäer“ gesagt ist. Zu S. 139,3 vgl. J. Heinemann, Die Lehre vom ungeschriebenen Gesetz im jüdischen Schrifttum (HUGA IV, 150 ff.). Ueber den Besitz des Hohepriesters ist auf S. 7 die Bemerkung vergessen, daß seine Brüder die Priester ihn groß, d.h. reich machen mußten, auf S. 59,5 ist dies angedeutet. S. 14: zu den Pflichten des Hohepriesters gehört auch die, daß 10*