Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine hebräisch-italienische Komödie des XVI. Jahrhunderts
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
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104 Papa: der Mensch unterscheide sich vom Tiere nicht etwa durch seine Redegabe —- sprechen könne schließlich auch der ״papagallö" (ספאגלו, der Papagei)! •— sondern nur dadurch, daß er zum Lernen auf die Schule gehe. Ergo muß auch das Kind in die Schule. Der Inhalt dieser beiden Dialoge hat nichts spezifisch Jüdisches, ja, sie könnten sogar aus dem Italienischen übersetzt sein. Ob sie vom Verfasser der Komödie herrühren, ist nicht ohne weiteres zu ent־־: scheiden. Gegen diese Annahme spricht ihr reichlich naiver Inhalte d a für — die flüssige, witzige Sprache der beiden Szenen, die an manche Buffopartien des hebräischen Lustspieles erinnert. Die Mss. B CD weisen im Wortlaut geringfügige Abweichungen, untereinander auf, und zwar nur solche, wie sie bei mehreren Kopien von gleichen Werken Vorkommen. Sie unterscheiden sich in wesentliehen Punkten vom Ms. A, so daß bei ihnen zweifellos von einer ״zweiten Rezension" der Komödie die Rede sein kann. Die Hauptunterschiede dieser zweiten Rezension gegenüber der ersten sind folgende: 1. es sind einige neue Szenen und Personen eingefügt; 2. einige Szenen sind bedeutend gekürzt und einzelne Episoden der Handlung mit Absicht beseitigt; 3. die Zählung der Szenen innerhalb der fünf Akte ist eine andere, z. T. durch die Ein- Schaltung neuer Szenen bedingt, z. T. jedoch durch eine andersartige Abtrennung der ursprünglichen Szenen. Im einzelnen ist dazu Folgendes zu bemerken: ein Personenverzeichnis zum Text der zweiten Rezension hat sich zwar in Ms. C erhalten, es muß aber auch in B und D ähnlich ausgesehen haben, da sie den gleichen Inhalt bieten, Die allegorische Figur der Weisheit in Ms. A ist durch die unpersönliche Bezeichnung ״Prologo“ ersetzt; dieser ״Prolog‘‘ ist nicht etwa als Ueberschrift zu verstehen, vielmehr gehört er zu den Persöhen des Spiels und ist an erster Stelle unter ihnen genannt. Eine völlig neue Figur ist die von ‘Efrons Diener Jona; wie sie in das Stück eingeschmuggelt werden konnte, ist beim Vergleich mit der ersten Rezension leicht zu erkennen. In Akt II, Szene 7 verspricht ‘Efron das Halsgeschmeide für Berurja durch seinen a 11 e n Hausdiener (YT2 jp7) zü schicken. In der zweiten Rezension wird aii dessen Stelle der Name Jona gesetzt, und nun kann diese durchaus überflüssige Figur an jeder passenden und unpassenden Stelle der Komödie auftreten oder wenigstens genannt werden. So spricht auch Jona einige Worte in der 3. Szene des II. Aktes und in der 8. wird er, erwähnt; außerdem sind zwei Extraszenen für ihn hinzugekommen, die zwar ganz famos gearbeitet sind, jedoch in den Zusammenhang der Komödie nicht passen und bloß retardierend wirken (Akt II, Sz. 5 und III, Sz. 1 — nach der Szenenzählung der zweiten Rezension). Genau so wie etwa Hemdans Schüler Ja'ir die Tafelgenüsse bei seinem Lehrer monologisch besingt und sich über die! eigene Faulenzerei freut (I, 6), schüttet Jona in Selbstgesprächen sein Herz aus; er hat freilich einem ‘Efron zu dienen, einem ganz üblen Geizhals, der seinen Dienern nichts zu essen gibt. Schließlich weiß sich Jona doch Rat zu schaffen, ergaunert einen Fisch bei dem Hausherrn, verzehrt ihn und erzählt dann dem Publikum, wie er seinen Betrug angesteht hat. Ferner hat die zweite Rezension an Stelle der ,;Gerichtsboten" (pl שלוחי בית) von Ms. A nur einen einzigen