Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die moderne Predigt
- Date
- 1931-01-01
- Page
- 81 (sequence 1)
- Language
- German
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Die moderne Predigt. Von Rabbiner Dr. G. Salzberger in Frankfurt a. M. ״Es ist eine alte Frage, ob die Menschen durch Predigthören ־wirklich glücklicher, besser und tüchtiger werden/‘ sagt Niebergall. ״Man weist auf die vielen Lauen und Laxen hin, welche trotz der Predigt vorhanden, auf zahllose Indifferente, auf mannigfachen Abfall/‘ sagt Ludwig Philippsohn. Und auch Maybaum erwähnt ,,die höhnische Frage: wen hat die Predigt schon gebessert?, die noch vor einigen Jahrzehnten vernommen“ worden sei. Alle Drei erklären die Frage für falsch gestellt; Maybaum meint, daß, wäre dieser Maßstab berechtigt, man mit demselben den ganzen Gebet- Gottesdienst als erfolglos und demnach als überflüssig erweisen könne; Philippsohn.betont, daß man mit demselben Rechte fragen könne, wie viele die Predigt vom Abfall zurückgehalten, in wie vielen sie religiöses Bewußtsein gezündet, religiöses Bedürfnis geweckt und wieder genährt hat; Niebergall endlich stellt es als Ziel der Philosophie, nicht der Religion, hin, die Menschen glücklicher und besser zu machen. Aber es bleibt die Frage, die positiv nicht leicht zu beantworten ist, welchen Zweck die Predigt verfolgt und ob und inwieweit sie ihn erreicht. Wenn Schleiermacher recht hat, daß die Predigt eine Synthese von Prediger, Text und Gemeinde darstellt, so gibt es offenbar überhaupt keine dauernde Theorie derselben, da sowohl Prediger wie Gemeinde in ihrer Einstellung zu Welt und Leben sich ständig ändern und selbst ihre Haltung gegenüber dem ,,Text“, also im weiteren Sinne der heiligen Schrift und im weitesten Sinne gegenüber der Religion keineswegs die gleiche bleibt. Es wäre somit in jeder Generation dem Prediger zur Aufgabe gemacht, so- Zusagen nach drei Kasus zu fragen: wem predige ich? was predige ich? wer bin ich, der da predigt? Wir versuchen eine solche Rechenschaftslegung über den Sinn der heutigen Synagogenpredigt im Anschluß an ein Buch, das Friedrich Niebergall, Prof, der Theologie in Marburg, unter dem Titel ,,Die moderne Predigt1“ als reife Frucht jahrzehntelanger umfassender wissenschaftlicher und eindringender praktischer Arbeit darbietet, — da wir großen Teilen desselben als jüdische Menschen und jüdische Prediger aus eigenen Erfahrungen und Beobachtungen in unseren Kreisen nur zustimmen können und an anderen das Unterscheidende der jüdischen Predigt deutlicher zu •erkennen vermögen. I. N. geht aus von einer Skizze des ,,modernen Menschen“ und der ,,modernen Theologie“. Es ist ihm dabei nicht so sehr um eine rein geschichtliche Darstellung, als um Herausarbeitung des Ertrags einer sich dem Ende zuneigenden Periode zu tun. Denn dies ״Moderne“ ist schon nicht mehr modern: schon bricht sich ein ganz Neues, wenn man will ,,Hochmodernes“, Bahn, über das sich heute nur 1Verlag von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1929.: Monatsschrift, 75. Jahrgang, 6