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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 6 · p. Seite 470

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 6
Article
[Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 470 (sequence 2)
Language
German
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470 daß das Verhältnis der Agada zur Halacha in Genesis rabba und Leviticus rabba festgestellt wird. Die Verfasser begnügten sich nicht damit, sondern dehnten ihre Forschungen auf alle Rabbothsammlungen und auf die übrigen alten und jüngeren Midraschim aus, unter Ausschluß allerdings des Jelamdem und der Pesilcta rabbati. Vielleicht wäre es besser gewesen, gerade von diesen Mi drasch werken auszugehen, an ihnen die gegenseitige Beeinflussung von Halacha und Agada festzustellen und das Verhältnis beider zueinander zu beleuchten. Das sei nur nebenbei bemerkt. Die Verfasser haben mit lobenswertem Fleiße Material aus allen Ecken und Enden der Midraschliteratur gesammelt, um in sieben Gruppen mit zahlreichen Beispielen den Gebrauch der Halacha für agadische Zwecke, für Exegese und Homiletik, für Philologie und Hermeneutik zu beweisen. Und das gesammelte Material wird der Agadaebenso wie der Halachaforschung gute Dienste leisten, besonders wenn es kritisch gesichtet und erläutert wird. Aber eine nähere Unterscheidung und Kennzeichnung von Halacha und Agada ist in der ganzen Sammlung nicht zu bemerken. Agadische Deutungen werden als Halacha behandelt und umgekehrt. Gleich am Anfang wird im Anschluß an V. Aptowitzer1 versucht, in ethischen und kosmologischen Kontroversen der Schammaiten und Hilleliten eine Verbindung zwischen Halacha und Agada herzustellen. Schon hier ist bei genauerer Prüfung eine ganze Reihe von Beispielen als nichtagadisch oder' nichthalachisch zu streichen. Viel ernster noch sind die Bedenken, die man gegen die Methode der Verf. erheben kann. Sie kennen keine Unterschiede zwischen der Agada der Tannaiten und der der Amoräer, zwischen palästinensischen oder babylonischen Agadisten, zwischen den Agadisten selbst und den Redaktoren der einzelnen Midraschsammlungen. Quellen und Parallelen werden zusammengeworfen. Ob eine Stelle Zitat aus einer älteren Quelle ist, oder ob Paralleistellen aus einer gemeinsamen Quelle geflossen sind, untersuchen die Verf. nicht. Um das gesammelte Material gehörig auszunützen, werden tiefergehende Untersuchungen literäturgeschichtlicher und vergleichender Art erforderlich sein. In vielen Fällen läßt sich ein Gegensatz zwischen Agada und Halacha konstatieren. Das gilt für S. 18, 22, 26, 28, 36, 51, aber auch für manche andere Stelle (s. Marmorstein, Beiträge zur Religionsgeschichte und Volkskunde in Dr. Grunwalds Jahrbuch I S. 283 f.). In. allen diesen Fällen ist eine Begründung nötig. Ferner ist zu bemängeln, daß die Sammler öfters Stellen anonym zitieren, die im Jeruschalmi mit dem Namen des Agadisten angeführt werden; s. z. B. S. 37 zu Cant 16, vgl. j Erubin 3S. Die nächstfolgende Stelle ist jer. Schekalim 43 entlehnt und wurde erst vom Redaktor des Cant, ra-bba mit dem Vers verbunden. An anderen Stellen läßt sich noch erkennen, daß der Midrasch- Sammler eine Stelle aus der Urquelle zitiert, die im Jeruschalmi nur fragmentarisch vorliegt (s. S. 57 zu Dt 1422 aus Pes. ed. Buber 99a, vgl. dazu jer. Kid 63a). Ebenso könnte die Kontroverse zwischen R. Elieser und den Hakamim dem Redaktor der Gen. r. 4'110 in einer andern Rezension Vorgelegen haben (S. 58 zu Gen 1317). Eine Vergleichung von. Gen. r. c. 46 mit jer. Sabbat 192 und Parallelstellen ist von besonderem Interesse. In diesen fehlt ein ganzer Satz, der im Midrasch R. Elieser dem Sohn des R. Jose hagelili zuerkannt wird und der die Kontroverse der zwei Schulen in einer andern Form vorträgt. Ohne diesen Satz erscheint die Bemerkung des R. Hoschaja unverständlich (vgl. bereits S. Hurwitz in der Hildesheimer Jubelschrift Hebr. Abt. S. 88 f.). Wenn man den Quellen der Redaktoren nachgeht, wird man über die ihnen zur Verfügung stehende Literatur manche Vermutungen aufstellen dürfen. Z. B. dürfte das S. 101 in Gen 3232 aus Gen. r. 78P zitierte Stück, das alle Merkmale eines Zitates aus dem Jeruschalmi trägt (אית תנא תנא und ראית תנא תכא) und in dieser Form in unseren Quellen nicht nachweisbar ist, dem verlorengegangenen Jeruschalmi Kodaschim, besonders Hullin, entlehnt worden sein. Derartige Beispiele ließen sich vielfach vermehren. Sie sollen die Nützlichkeit der von den Verfassern mit Fleiß gelieferten Arbeit zeigen und die Benutzung dieser anregen. 1 Ich muß hier, zu meinem Bedauern bemerken, daß ich weder Lust noch Zeit habe, auf Aptowitzers ganz und gar unbegründeten Angriffe auf meine Widerlegungen seiner hasmonäischen Theorie einzugehen. Für mich ist die Sache gänzlich erledigt. Dixi et salvavi animam meaml

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