Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 468 (sequence 2)
- Language
- German
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4(38 konnte Verf. in der Glozelschrift Altes ־und Junges beieinander finden. Er fand das von ihm scheinbar entdeckte Alphabet unnatürlich überladen und verwildert, hielt es aber dennoch für ein primitives und natürliches Schrift- System und fragte sich nicht: Warum schrieb man in Glozel 700 v. Ghr. wie die Semiten um 2000 am Sinai? Ich halte es für unnütz, über die Sache weiter zu diskutieren. Das Buch über Glozel ist eine große. Täuschung. Triest. I. Zoller. Paul Kahle: Masoreten des Westens. II. (Texte und Untersuchungen zur vormasoretischen Grammatik des Hebräischen. IV.) Stuttgart 1930. Der erste Band der ,,Masoreten dos Westens“, der in Jg. 1929, S. 67—69 dieser Zeitschrift gewürdigt wurde, brachte an neuen Texten hauptsächlich die Kerobot des bis dahin unbekannten Dichters Ghedweta. Was jetzt im zweiten Band hinzukommt, wirkt vielleicht nicht so sensationell, immerhin bieten auch die hier veröffentlichten neuen Stücke des palästinischen Targum und die palästinisch punktierten Bibelfragmente an Belehrung und Anregung viel: mehr als im Rahmen dieser Rezension zum Ausdruck kommen kann. Das palästinische Targum ist uns außer in der babylonischen Bearbeitung, dem Targum Onkelos, bekanntlich noch in zwei Versionen überliefert, die ganz nach. Palästina gehören: die eine, dem Jonatan ben Usiel zugeschrieben, ist fast vollständig erhalten, während wir von der anderen, die übrigens in mehreren Brechungen auf uns gekommen ist, nur Bruchstücke, freilich ziemlich zahlreiche, besitzen. Ihnen gesellen sich nun weitere Fragmente, gleichfalls nicht völlig einheitlicher Herkunft, hinzu. Während aber, was wir bisher von dem Fragmenten-Targum hatten, fast nur aggadische Erweiterungen waren, lernen wir jetzt zum ersten Mal den eigentlichen Uebersetzungstext in dieser Version kennen, so daß wir damit in den Stand gesetzt werden, das Targum nach Uebersetzungstechnik und Sprache besser als bisher mit den beiden anderen Versionen zu vergleichen. Dem Herausgeber mußte es gemäß dem Plan seines Werkes vor allem auf die Vokalisation an kommen. Sie ist nur im ersten Fragment palästinisch, in den übrigen, soweit überhaupt vorhanden, tiberisch. Kahle, der die Handschritten um 700 entstanden sein läßt, hegt zu ihrer Vokalisierung großes Vertrauen — trotz oder gerade wegen der in ihnen sich findenden Inkonsequenzen, die er als einen Beweis ihrer Ursprünglichkeit betrachtet. Wie mir scheint, darf aber auch die Regellosigkeit nicht überschätzt werden; Gegensätzlichkeit herrscht nicht so sehr innerhalb der einzelnen Fragmente, wie in ihrem Verhältnis zueinander, unter Umständen auch nur im Verhältnis des Konsonantentextes zur Vokalisation. In Ms B hat der Vokalisator das Wort עובדא, wenn es plene geschrieben war, mit Cholena-Punkt versehen, die defektive Form aber in syrischer Weise als עבדא punktiert. Den Formen קדמיך ,קדמי in B stehen in G כןדמיך ,^ןו־ימי gegenüber; in dieser letzteren Hs ist der o־Laut der ersten Silbe nur vor schwerem Suffix geschwunden. Das Ms A aber, das sich durch hohes Alter auszeichnet, zeigt gleich in der ersten Zeile den o־Laut auch vor schwerem Suffix. Hier folgt Ms B wiederum der syrischen Vokalisationsart, Ms A aber der des kanonischen masoretischen Textes; und das gleiche finden wir, wenn es in B S. 7 Mitte למקבלה heißt, in A S. 4 oben למנטרה. Hs E S. 33 ff. hat Einfluß des Babylonisch-Aramäischen erfahren. Mindestens zeigt sich das S. 37, Z. 5 שבוהה נשבויחה] די שבחו יתי בנתהון דישראל; vielleicht ist aber auch das viermal vorkommende Nun-Präfix der ersten Person Sing. Imperfecti (S. 35, Z. 6; S. 36, Z. 6 u. 14; S. 45, Z. 7) in gleichem Sinne zu deuten. Hs G trägt einen vollkommen anderen Sprach Charakter als die übrigen Hssen. Wir finden S. 65 die Infinitive לאזהריא und לאפדשא statt למוהרא und למפרשא, S. 63 לפרעסא statt למפרנסא, ferner die Perfektform הוו statt היון, sodann קמך statt אף ,קדמיך statt אוף usw. Auch die Vokalisierung unterscheidet sich hier sehr zu ihrem Nachteil von der der vorhergehenden Fragmente. Während diese Targum-Texte, wie gesagt, meist tiberisch punktiert sind, bereichern die biblischen, die neben ihnen den Hauptgegenstand der vorliegenden Veröffentlichung bilden, ausgiebiger unsere Kenntnis des palästi-