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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 6 · p. Seite 465

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 6
Article
Musikalische Rundschau [Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 465 (sequence 2)
Language
German
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465 Zu begrüßen ist, daß dieser Band in geringerer Zahl als seine Vorgänger die Biographien Lebender bringt. Immerhin registriere ich ל solcher, nicht ohne Widerspruch. Denn neben dem üblen Eindruck, den (in überwiegender Zahl) diese Biographien erregen, ist es auch unvorsichtig, ein noch nicht ausgelebtes Leben zu beschreiben, dessen Höhepunkte vielleicht erst in der Zukunft liegen. Anderseits sind manche Größen schlecht weggekommen. Z. B. Adolf Lazarus, der wirklich ein Bedeutender war, ein würdiger Nachfolger der großen Berggrün und Moritz Friedmann. Und im Anhänge des Buches begegnen wir manchem Namen, der nicht nur in dem übergroßen Rahmen, sondern auch in dem der 20 Platz finden könnte. SO: Josele Kokosch (S. 130), Salomon Schwarz (S. 132), Salomon Weintraub-Kaschtan (S. 134) u. a. — Nicht zustimmen kann ich dem verehrten, auf seinen und unseren Beruf sonst so stolzen Autor, wenn er zur Vergrößerung der gesanglichen Leistungen seiner Helden so häufig von den vergeblichen Versuchen, sie für die Bühne zu gewinnen, oder gar von glänzenden Theatererfolgen, die der Kantorenlaufbahn vorangingen, berichtet, oder vielmehr: berichten läßt. Erstens sind diese Angaben zum größeren Teile unwahr (ich selbst kann nicht wenige der angeführten Fälle als solche erweisen) und nur der berüchtigten jüdischen Selbstverkleinerungssucht zuzuschreiben, zweitens bilden solche Antezedentien und Hinneigungen eher ein schwer besiegbares Hindernis für unseren Beruf. Ist so, hei aller Anerkennung für alles Wertvolle, gegen die ״Lebensbilder“ als solche manches einzuwenden, so ist der Anhang ״Zur Geschichte des jüdischen Kantorats: Der Vorbeter“ mit höchster Anerkennung zu nennen. Hätte Aron Friedmann sonst nichts geschrieben, als diesen Anhang, man müßte ihn dennoch in die Reihe unserer bedeutendsten Fachschriftsteller zählen. Welche Fülle von historischem und kulturhistorischem Wissen! Wie tief ins graue Altertum wird unsere Ahnenreihe geführt! Wie erschütternd das Martyrologium, das die ehrwürdige Reihe unserer Altvordern auf zählt, die für ihren heiligen Glauben und heiligen Beruf ihr gesegnetes Leben hingaben. Morgen- und Abendland, Aschkenasim und Sephardim, ja sogar karäische Chasanim ziehen an unserem Auge, vorüber.!Besonders lehrreich sind die Register der in einzelnen alten Gemeinden (Mainz, Worms, Amsterdam, Prag, Frankfurt u. a.) tätig gewesenen Vorbeter, und von hohem kulturhistorischem Wert die zahlreichen wörtlich angeführten Grabinschriften. Das Buch ist dem Andenken Josef Singers, des verewigten Wiener Oberkantors, gewidmet. Dessen Bild, die Bilder von sechs großen Kantoren, sowie 2 Noten-Faksimile bilden den künstlerischen Schmuck. Somit bietet das Buch als Ganzes eine wertvolle Bereicherung der Fachliteratur. Besonders d_er ״Anhang“ wird dem Historiker auf unserem Spezialgebiete reiche Belehrung geben und hoffentlich der Ausgangspunkt für weitere einschlägige Arbeiten sein. II. Dudaim von Salomon S u 1 z e r, 2., von Prof. Josef Sulzer neu revidierte Auflage. (M. W. Kaufmann, Leipzig.) Im Jahre 1860 gab S. Sulzer dieses ״Gesangsbüchlein“ heraus, in dem er in gedrängter Kürze und mit erleichtertem Stimmsatz die einfachsten Gesänge aus seinem großen Werke ״Schir Zion“ zus am menfaßte. Drei Gründe, wie er im Vorwort schreibt, hatten ihn dazu veranlaßt: den Religionsschulen ein Handbuch für den Gesangsunterricht zu geben, den kleineren Gemeinden ein Mittel für den geregelten Gottesdienst zu liefern und schließlich die häusliche Andacht zu fördern. Als höchstes Ziel schwebt ihm vor, daß ״allmählich auch in Israel die ganze Gemeinde an den liturgischen Chorälen in feierlicher und erhebender Weise sich beteiligen könne“. Das seit Jahrzehnten vergriffene Büchlein liegt jetzt in einer von dem nun auch schon verewigten Sohne des Schöpfers besorgten und erweiterten zweiten Auflage vor. Wie in der ersten, doch an manchen Stellen noch verbessert, ist die Anordnung der Stimmen bei den meisten Gesängen so getroffen, daß zu Sopran und Alt sich noch eine mittlere Männerstimme gesellt, und derart die Ausführung durch Kinderstimmen und den Kantor (mit oder ohne Instrumentalbegleitung) auch in kleinen Gemeinden einen würde- und weihevollen Gottesdienst ermöglicht. Monatsschrift, 74. Jahrgang. 30

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