Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Gebet und Zauberspruch
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 463 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829967-2829974-2836512--50158-2836615- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
463 noch kräftiger und wirksamer zu machen. Bei dem Zauberspruch sind Buchstabe und Form alles, während das Gebet, auch wenn es als Gemeindegebet eine feste Form angenommen hat und nur in einer bestimmten Sprache verrichtet wird, ein ״Gottesdienst des Herzens“ bleibt. Menschen mit Tierköpfen. Zu dem Aufsatz ,,Der Estherstoff“ usw. in Heft 9/10 d. J. S. 383 schreibt uns Rabb. Dr. M. Grunwald in Wien: Auch das Titelblatt des in Prag 110ל erschienenen ,,Brantspiegels“ weist als Karyatiden zwei Menschengestalten, die eine rechts mit einem Löwen köpf, die links mit dem einer Löwin auf. Ueber Tiermasken vgl. Rob. Eisler, Orphischdionysische Mysteriengedanken in der christl. Antike (Bibi. Warburg, Leipzig 1925) S. 256 f., 290 f. u. sonst (s. Reg.), über das Löwensymbol das. 126, über das Eindringen der Orpheussage in jüd. Kreise ebd. 2. — Das Sternbild der Zwillinge als zwei Knaben mit Hundsköpfen in einem deutschen Machsor (bei Müller-Schlosser, Die Pessach-Haggada von Serajevo 11 ל) gehört gleichfalls hierher. Man wollte die Wiedergabe der Menschengestalt dadurch mildern. Zu den Megilla-Illustrationen ist, außer dem von D. Kaufmann (vgl. ,,Die Haggada von Serajevo I S. 265) u. Jüd. Lexikon IV unter ״Megilla“ beigebrachten Material, auch auf die Braunschweiger Megilla (Mitt. z. jüd. Volkskünde 1906, S. 94) hinzuweisen. Sie stammt augenscheinlich aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, da sie genau dieselben Judentrachten, wie Kirchner, Jüd. Geremoniel, Nürnberg 154ל, aufweist. Originell sind die Darstellungen eines Purimtanzes, eines Reitergefechtes zwischen Juden und Persern und einer Versammlung von Juden auf freiem Felde (das. Fig. 15—11). In meinem Besitz befindet sich eine Megilla aus derselben Zeit mit dem an die Megillaverlesung sich anschließenden Ritual, die Leisten und Zwischenräume mit buntbemalten Putten, Girlanden, Früchten ausgefüllt, und mit originellen in den Text entsprechend eingefügten Vignetten und hebräischen Erklärungen der dargestellten Personen und Gegenstände, so: Ahasveros, Vaschti, die Häuser der Perser, Mordechai, der Eintritt Esthers in den Palast, die versammelten Jungfrauen, Bigtan und Teres am Galgen, die fastenden und betenden Juden, der Empfang Esthers bei Ahasverosjwobei sie mit der Hand das Szepter berührt, wie bei Hans Burgkmair d. Ä., während es ihr sonst an den Kopf oder die Lippen gereicht wird, vgl. Th. Ehrenstein, D. A. T. im Bilde 31!2ל.); sitzend, wie Jüd. Lex. a. a. O., läßt sich der König aus der Chronik vorlesen, Haman mit dem reitenden Mordechai, Ahasveros und Haman bei Esther, Haman wirft sich auf die liegende Königin, die erschlagenen Perser, Mardechai mit Krone vor dem Palaste, Hamans Söhne am Galgen, zwei gestikulierende Juden im Gespräch, ein Diener mit Mischloach manoth, Mardechai und Esther schreiben, die Verbreitung ihrer Botschaft zu Lande und zu Wasser. — Die Darstellung des Ahasveros in der Megilla ist ein Beitrag zu dem Kapitel ״Das Herrscherbild in der Kunst“, vgl. hierüber P. E. Schramm in: Vorträge der Bibi. Warburg II 145 ff. Reitergefechte in jüd. HSS bei Müller-Schlosser a. a. O. I 235. Die Sternbilder in unseren gedruckten Machsorim, wie in den Ausgaben Wien!1892 ,1811 ,94ל (Stern), Warschau 186ל, u. s., scheuen nicht die Wiedergabe der ganzen Menschenfigur. Die von 1811 bietet einen Neptun und einen Kentaur. Es sind jedenfalls Anleihen bei christlichen Kalendern. Mythologische Figuren, u. a. das Urteil des Paris, auf dem Titelblatt des Beth chadasch, Frankfurt a. M. 169ל, auch sonst: Mitt. z. j. Volksk. X 141, im allg.: Grotte in ״Der Morgen“ 1928 S. 14ל ff. Hierauf erwidert die Verfasserin: Dr. Grunwald zitiert S. 265 der Haggadah von Sarajewo. Nun ist dort die Rede von der Estherrolle der Sammlung Kaufmann, und in der Fußnote wird dort eine Rolle in Yarmouth erwähnt. Dr. Grunwald wird übersehen haben, daß ich auf S. 38ל meines Aufsatzes von der Kaufmann-Rolle spreche.