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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 6 · p. Seite 457

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 6
Article
Die problemgeschichtlichen Zusammenhänge von S. L. Steinheims "Offenbarung nach dem Lehrbegriff der Synagoge"
Date
1930-01-01
Page
Seite 457 (sequence 21)
Language
German
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457 Die Frage nach der Einreihung Steinheims in dies empirisch ermittelte Schema sollte nach dem Vorstehenden nicht mehr allzu schwierig zu beantworten sein; in Wahrheit ist bei ihm infolge der Komplexion seiner Probleme eine eindeutige Klassifizierung noch viel weniger möglich als bei den anderen Denkern, bei denen wir ziemlich kursorisch vorgegangen sind, indem wir uns nur nach den Hauptwesenszügen ihrer Kritik gerichtet haben. Steinheim scheint beiden Gruppen anzugehören und doch wieder keiner von ihnen ganz — er selber bringt nicht ohne Widersprüche zum Ausdruck, was er zutiefst will; seine Absicht ist nicht ganz einheitlich. Trotz konziser Fragestellung zieht er ja doch die Göttlichkeit der Offenbarung nicht ernsthaft in Zweifel; er nimmt sie naiv-realistisch so, wie sie ist, bzw. wie sie auftritt; ihre Objektivität wird am Ende nicht bloß bewiesen, — der Glaube an die Offenbarung wird sogar als die einzig mögliche adäquate Erkenntnisweise unter Hintansetzung der Vernunft zur Grundlage seines spekulativen Systems gemacht. Das Uebernatürliche ist nicht nur nicht widernatürlich, sondern das der Vernunft Entgegengesetzte soll sogar als das Objektiv-Reale hingestellt werden. Damit sind mancherlei Merkmale der zweiten Gruppe verbunden. Zur Prüfung der Vernunft tritt eine gründliche Prüfung des Offenbarungsinhaltes, des Substantiellen. Die Realität dieses Substantiellen wird gegen die Vernunft — xax* ävrcfpamv — bewiesen; im Verlaufe der Untersuchung und Rechtfertigung gegen die־ Vernunft — wir erinnern hier an seinen Formulierungsversuch ,,credo quamquam absurdum" — dreht sich die Absicht, die Rollen werden vertauscht, es kommt zu der angedeuteten ״Glorifizierung" des Offenbarungsglaubens, womit wir wieder bei den Merkmalen unserer ersten Gruppe angelangt sind. Gebet und Zaubersprucb. Von J. Bergmann in Berlin. 1. ״Die Israeliten verstanden es wie kein anderes Volk, die Religion als Geschichte zu erleben und zu betrachten1." Auf die wichtigsten Geschehnisse der Vergangenheit, wie die Auswanderung Abrahams aus Ur in Chaldaa, die Befreiung Israels aus Aegypten, die Offenbarung am Sinai, die Wanderung durch die Wüste und. die Eroberung des gelobten Landes, verwiesen in ihren Reden die Propheten. An diese Heilstatsachen klammerte sich ihre Zuversicht und Zukunftshoffnung, auf sie beriefen sie sich in ihren Gebeten. Auf den Bundesschluß am Sinai sich stützend, betete Jeremia: ״Brich nicht deinen Bund mit uns!" Jer 1421. ״Auf dich vertrauten unsere Väter, und du errettetest sie" Ps 226, betete der Psalmendichter. Den Inhalt des zweimal täglich verrichteten Pflichtgebetes (wohl;des Schma) bezeichnet Josephus als ein ״Bekenntnis der Gnadengaben, die Gott den Israeliten nachr dem Auszug aus Aegypten gewährte2". Als auf sein Gebet kein Regen kam, sprach Raba: ״Herr der Welt, ״unsere Väter 1 Wernle, Einleitung iri das theölogisclieJStudium^, Tübingen 1911, 91. 2 Jos. Ant. IV 8, 13.

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