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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 6 · p. Seite 429

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 6
Article
Saloniker Grabschriften aus dem 16. und 17. Jahrhundert
Date
1930-01-01
Page
Seite 429 (sequence 9)
Language
German
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429 Ich habe dieses Epitaph mit großer Sorgfalt und Genauigkeit abgeschrieben, konnte es aber leider nicht lesen. Jedenfalls ist der Stein nicht vor 1510 und nicht später als 1540 gesetzt worden, denn die Skulptur und die Verzierungen gleichen denen mehrerer Grabsteine aus der Zeit zwischen 1515 und 1535. Es muß das Grabmal eines angesehenen Marranen sein, ähnlich dem, das der Marrane Flavius Jacobo dem Amatus Lusitanus bauen ließ. Der Text kann also auch altportugesisch sein1. Die Judenpolitik König Karls I. von Sizilien in Anjou und in der Provence. Von Willy Cohn. Durch die Schlacht von Benevent (1266), in der König Manfred, der Sohn des großen Hohenstaufenkaisers Friedrich II., fiel, wurde Karl, der Graf von Anjou, den der Papst als Gegenkönig gegen die ,,verhaßte Stauferbrut‘‘ nach Unteritalien geschickt hatte, Herr dieses Landes. Damit übernahm der neue Herrscher auch die in diesem Staate, dem Königreich Sizilien, übliche Verwaltungsform, alle Regierungsakte in Register eintragen zu lassen. Wenn auch diese Registerbände nicht durchaus vollständig auf uns gekommen sind, so bilden die noch vorhandenen Bestände ein einzigartiges und von der Geschichtsforschung gern benutztes, wenn auch keineswegs ausgenutztes Material2. In ihnen sind selbstverständlich auch alle Verfügungen niedergelegt, die die Juden des Gesamtstaates behandeln, zu dem neben den Hauptländern Unteritalien und Sizilien auch französische Landschäften gehörten. Ueber die Judenpolitik in den italienischen Landesteilen ist an anderer Stelle gehandelt worden3. Hier soll nur Karls Einstellung zu den Juden in den französischen Landschaften, die zu seinem Herrschaftsbereich gehörten, untersucht werden. Die einzelnen Veiwaltungsakte werden die Möglichkeit geben, die Motive fürstlicher Judenpolitik des 13. Jahrhunderts aufzuklären und vielleicht Schlüsse über die Enge des in Frage stehenden territorialen Gebietes hinaus zu ermöglichen. 1 Ich habe noch das Bruchstück eines Grabsteins mit lateinischer Inschritt gefunden. Eine Kopie davon sende ich gern jedem, der sich dafür interessiert. Mehrere Grabsteine dieser Art hat die türkische Regierung zum Bau eines Krankenhauses verwendet, welches im ältesten Teil des jüdischen Friedhofs liegt und heute die Universität beherbergt. 2 Vgl. dazu Eduard Sthamer: Die verlorenen Register Karls I. von Anjou (Sitzungsberichte der preuß. Akademie der Wissenschaften, II, 1923), ferner Paul Durrieu: Les Archives Angevins de Naples. Etüde sur les registres du roi Charles I. (1265—1285) (Bibliotheque des ecoles frangaises d’Athenes et de Rome. Bd. 46 u. 51], Paris 1886 u. 1887. 3 Vgl. Willy C 0 hn: Die Juden in Unteritalien im Ausgang des 13. Jahrhunderts. Gemeindeblatt Frankfurt a. M. Nr. 8, 1930. Doch hat an jener Stelle nicht der gesamte wissenschaftliche Apparat mit veröffentlicht werden können. Vielleicht ist es möglich, auf diese Dinge an anderer Stelle noch einmal zurückzukommen.

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