Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Jüdische Handwerker aus älterer Zeit
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 420 (sequence 8)
- Language
- German
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420 berechtigt war1. Auch die anderen beiden in der Liste von 1732 Genannten, der eine in Butschowitz (aus Kremsier), der andere in Schaffa haben bei ihrem Vater gelernt. Laut dieser Liste gab es damals unter 13 Goldschmieden im Brünner Kreis 3, unter 39 in ganz Mähren 8 Juden, 1769 neben 13 Christen 14 Juden, u. zwar in Ung.-Brod, Groß Meseritsch, Pohrlitz, Trebitsch und Holleschau. In den beiden letzteren Städten treten die ersten jüd. Meister auf, die ihre Arbeiten mit Namens- und Feingehaltsmarke versehen. Nachtrag. Jüd. Kalkbrenner besitzen im alten Rom ihre Synagoge, vgl. Krauß, Syn. Altertümer 256. — Dietz, Stammbuch der Frankf. Juden VIII verzeichnet aus der Zeit von 1490—■1530 in Frankfurt je einen Glaser, Schwarzfärber, Zeugmacher und Goldschmied. Bei einer 1495 zu Münster abgehaltenen jüd. Hochzeit befanden sich unter den Gästen ein Schwertfeger, ein Würfelmacher und drei Mühlenmacher. — J. Münz, Jüd. Leben im MA. führt S. 52 aus dem Jahre 1338 zwei jüd. Steinhauer und aus dem Jahre 1490 zwei jüd. Goldschmiede in Nürnberg an, aus dem Jahre 1328 jüd. Schneider und Tischler in Frankfurt, aus dem Jahre 1520 jüd. Spielkartenmacher. — Die Barbiere leiten sich, nach J. Morier, Die Abenteuer Hajji Baba’s (deutsch) III, 339, von Abraham her, der Ismael und Isak -rasiert haben soll, als er die Kaaba baute. •— Kesselschmiede in Lublin bei Balaban, Die Judenstadt von י Lublin 67. —Jude als Dachdecker in Prag in der Anekdote bei Ch. Bloch, Das jüd. Volk in der Anekdote 275 f. — Die jüd. Goldschmiede in Lemberg bei Ber Bolechower, Sikhronot 111. — Nach Depping, Die Juden im MA. (deutsch) 182 bewohnten die jüd. Handwerker in Paris die dunklen und engen Gassen bei den Hallen. Eine Art Monopol besaßen die jüd. Silberzieher in Trevoux (S. 250). ״Im Jahre 1482 wandten sich die portug. Cortes dagegen, daß die jüd. Handwerker oder Aljabebes, wie Schuhflicker u. a. m., auf dem Lande Arbeit suchten und während der Abwesenheit der auf dem Felde beschäftigten Bauern mit ihren Frauen und Töchtern allein blieben, was den guten Sitten und dem hlg. kath. Glauben ganz entgegen sei. Man solle sie in ihre Judenviertel verweisen. Der König erwiderte, daß die Bequemlichkeit der Landleute es erheische, die jüd. Handwerker an Ort und Stelle zur Hand zu haben. Ließe sich einer etwas zu schulden kommen, so genüge es, ihn vor Gericht anzuklagen.“ Depping bemerkt hierzu (S. 347): ,,Dieser Bericht stellt uns die Juden als Handwerker und Verführer dar; bisher haben wir sie in dieser doppelten Eigenschaft noch nicht kennen gelernt.“ — Er selbst berichtet aber S. 353 über jüd. Färber, und daß Pius IV. (S. 405) den Juden im Jahre 1559 alle Handwerke freigibt, während (404) Paul IV. ihnen die Inanspruchnahme christl. Handwerker verboten hatte.— Nach Tschorni, Mass'ot Kawkas (S. 2) sind alle aus Rußland eingewanderten Juden in Temir-Chan-Schura Handwerker. — Zu Handlangerarbeiten wurden die Juden häufig gezwungen. Nach Groß, MGWJ 1878, S. 150 mußten die Juden in Arles an den Freitagen an einem Brückenbau arbeiten, wobei sie von den christl. 1 Solche Vererbung eines Handwerkes auch in der Familie Hallo in Kassel (Hallo, die Farn. H.).