Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 396 (sequence 2)
- Language
- German
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396 In der zweiten Einleitung־ ümreißt Tag licht mit wenigen, aber außerordentlich treffenden Worten das Werden und Wachsen der Haskala und die Bedeutung der Wachsteins che n Darstellung. Er selbst zeigt dann, wie der Maskil, der nunmehr aus dem Bewunderer des Fremden der Erforscher des Eigenen geworden ist, sich speziell der Erforschung des talmudischen Schrifttums zuwendet und an die Stelle der bisherigen, meist pilpulistischen Methode die neue wissenschaftliche setzt, besonders in den Zeitschriften Beth ha-Midrasch und Beth Talmud. Die Mitarbeiter stammen aus allen Ländern, sind sämtlich noch durch die alte Talmudschule hindurchgegangen, haben sich aber moderne Schulung angeeignet und gehen mit diesem Rüstzeug an Talmud und Midrasch heran. Weiß, Friedmann, Brüll, Epstein treten hier in den Vordergrund und übernehmen wiederum die Führung einer ganzen Reihe von tüchtigen neuen Forschern, die gleichfalls alphabetisch mit ihren Beiträgen zusammengestellt sind. In der Einleitung ־zur dritten Gruppe behandelt dann K r i s t i an - polier die letzten Aus klänge dieser Publikationen, besonders die von Smolensky redigierten Zeitschriften ha־Schachar und ha-Mabit, die jedoch nicht bloß für die Gelehrtenkreise, sondern auch für die Laienwelt bestimmt sind und diesen Kreis der allgemeinen Bildung zuführen, aber auch für die hebräische Sprache wiedergewinnen wollen. Hier spielen jedoch sehr stark politische und nationale Strebungen mit hinein und geben diesen Veröffentlichungen ein ganz anderes Gepräge, so daß diese Aüsläufer der Haskala vielfach entweder ganz vom jüdischen Boden abirren oder Vorläufer der nationaljüdischen Strömung, der Gegenwart werden. Aus früheren Zeiten ragen noch einige der großen Mitarbeiter in diese Periode mit hinein, neben ihnen erschließen sich neue Gruppen, die auch hier sorgfältig geordnet zusammengestellt sind. Ueberschauen wir das gesamte Werk, so ist hier zum erstenmal ein Stück jüdischer Geschichte der Neuzeit behandelt, das seine Aufnahme in die Gesamtdarstellung der neuesten Geschichte des jüdischen Volkes begehrt und beanspruchen darf. Philippsons Darstellung weiß von diesen Dingen überhaupt nichts; aber auch D ubnow wird für seine Schilderung der Haskala wichtige Ergänzungen in diesem Sammelwerke .finden. Man muß; Wachstein und seinen Mitarbeitern allen Dank dafür wissen, daß sie ein so bedeutsames Stück innerjüdischer Entwicklung mit so tiefem Eindringen in die Einzelheiten und so großzügiger Zusammenfassung des Ganzen aufgedeckt haben. . Ebensolcher Dank gebührt nicht minder der historischen Kommission der Wiener Kultusgemeinde, die dieses Werk unter ihre wissenschaftlich so bedeutsamen Publikationen aufgenommen und ihm zugleich eine so glänzende äußere Ausstattung gegeben hat, die mit Freude feststeilen läßt, daß es immer noch ein Mäzenatentum der jüdischen Wissenschaft gibt. Freude nthal. Rudolf Schays Juden in der deutschen Politik. 320 Seiten mit 16 Einzelbildnissen auf Tafeln. In Ganzleinen Mk. 7.—. Weltverlag. (Eine Parallelausgabe für seine Mitglieder hat der Heine-Bund, eine jüdische Buchgemeinde, Berlin, herausgegeben.) Der Heine-Bund hat durch eine Reihe von Bänden zur Aufhellung der gesamt-jüdischen Situation der Gegenwart beigetragen. Arnold Zweig faßte in seinem Buche: Juden auf der deutschen Bühne, Karl Schwarz in seinen: Juden in der Kunst, das zusammen, was auf diesen Gebieten in Gegenwart und Vergangenheit geleistet worden ist. Nunmehr macht Rudolf Schay den Versuch, in einem ähnlichen Bande alle die Juden in Einzelessays zu behandeln, die innerhalb der deutschen Politik im 19. Jahrhundert hervorgetreten sind. Die Namen, die er zusammenstellt, unterscheiden Juden und getaufte Juden nicht. Es sind : Karl Marx, Ferdinand Lassalle, Moses Heß, Johann Jacoby, Gabriel Rießer, Friedrich Julius Stahl, Eduard Lasker, Ludwig Bamberger, Eduard Bernstein, Ludwig Frank, Rosa Luxemburg, Kurt Eisner, Hugo Preuß, Theodor Wolff, Georg Bernhard und Walther Rathenau. Den Biographien voran geht eine einleitende Abhandlung, die Deutschlands Weg seit 1815 knapp zusammenfaßt. Der Verf. sieht die Tatsache, daß so viele Juden sich zur Politik drängten, in engem Zusammenhänge mit der Auflösung des Ghettos und mit der dadurch kritisch gewordenen Lage